Macht kreuzigt,
Liebe lässt sich kreuzigen.

Macht kreuzigt. Das ist bei uns Menschen so. Du aber, allmächtiger Gott, Du lässt Dich kreuzi­gen.

Ein starkes Zeichen, eine harte Forderung ist das, was du hier aufstellst. Du forderst von mir die Einsicht, dass nicht Macht meine Grösse aus­macht, sondern der Verzicht auf Macht, oder genauer, der Verzicht auf die Ausübung der mir verliehenen Macht, wo die Liebe dies fordert.

Es ist ja nicht so, dass ich auf jede Ausübung von Macht verzichten soll und darf. Du selbst hast Deine Macht überall eingesetzt, wo dies mit Dei­ner Liebe zu uns vereinbar war. Auch ich soll also meine Kraft, meine Macht überall dort einsetzen, wo es mit der Liebe zu Dir und zum Nächsten vereinbar ist. Gott aber soll in allem den Vorrang haben, gerade auch gegen­über der Macht.

Das kann sehr weit gehen. Das kann buch­stäb­lich, wie bei Dir, ans Kreuz führen. Das kann aber auch ganz unspektakulär, ganz im Verborgenen geschehen, dieser Verzicht auf Macht, wo die Liebe dadurch verletzt würde. Und das will gelernt und geübt sein, bei jeder sich bietenden Gelegen­heit. Dann, Herr, werde ich fähig werden, notfalls auch ein grosses Kreuz anzunehmen




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