Ist Gott unzumutbar geworden?


Stefan Fleischer


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Unsere Tageszeitung veröffentlicht eine laufende Serie von Gesprächen  mit verschiedenen Persönlichkeiten, heute mit einem Kapuzinerpater. Hier meine Antwort an ihn.

Lieber Bruder Josef

„Auf einen Kaffee mit …“ in der heutigen Zeitung habe ich mit Interesse gelesen. Darf ich Ihnen eine Frage dazu eine Frage stellen? Was ist eigentlich in ihren Augen die Beichte? In meiner Jugend wurde sie uns doch als etwas wesentlich anderes erklärt als „ein Gespräch mit dem reinigenden pychologisch-philosophischen Touch, das keineswegs an eine Form gebunden ist.“ Und, ehrlich gesagt, wenn ich bei meinen Beichten hin und wieder das Gefühl bekomme, mehr einem Psychiater gegenüber zu sein als einem von Gott bevollmächtigten Priester, dann gehe ich mit gemischten Gefühlen aus dem Beichtstuhl. Dann habe ich oft Mühe nicht an der Vergebung zu zweifeln. Überhaupt Gott. Warum kommt er im ganzen Artikeln nicht vor? Ist er für den Menschen von heute unzumutbar geworden?

Ich weiss, ich bin noch vorkonziliar erzogen worden. Und der Verlauf meines Lebens und meine intensive Beschäftigung mit Glaubensfragen in den letzten gut zwanzig Jahren haben mich nicht zu einem Freund der modernen Theologie gemacht. Vielmehr macht mir die heutige Tendenz, in der Verkündigung um den heissen Brei herum zu tanzen, statt „Verkünde das Wort, tritt dafür ein, ob man es hören will oder nicht; weise zurecht, tadle, ermahne, in unermüdlicher und geduldiger Belehrung.“ (2.Tim 4,2) diese Theologie je länger je unglaubwürdiger. (Und der drastische Glaubensschwund unserer Zeit scheint mir Recht zu geben.) Deshalb bestehe ich nicht auf einer Antwort. Es gibt einige Leute, die behaupten, ich sei stur konservativ und deshalb den Dialog mit mir vermeiden wo immer sie es können.

In Liebe Christi, der durch sein heiliges Kreuz die ganze Welt erlöst hat, verbunden

Stefan Fleischer

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