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Gedankensplitter - Einzeltext
Stefan Fleischer

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Frag doch mal

Der moderne Dialog

21. Mai 2016

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„Frag doch mal“ ist eine Rubrik in einem Blog, auf den ich kürzlich gestossen bin. Der Titel des aktuellen Beitrages hiess: „Frag doch mal… nach der Güte“. An der Antwort war kaum etwas auszusetzen. Allerdings bezog sich diese nicht auf den Titel. Die Frage nach der Güte war schon im Untertitel umgeschrieben in: „Was ist aus katholischer Sicht ein guter Mensch?“ Natürlich ist Güte normalerweise eine Eigenschaft eines guten Menschen. Aber ob Güte allein schon einen guten Menschen ausmacht? Dazu müsste wohl die landläufige Definition von Güte umgeschrieben werden.

Das Ganze wäre ein relativ belangloses Versehen, wenn wir ein solches Vorgehen nicht je länger je mehr beobachten müssten. In der modernen Dialogkultur kommt diese Methode sehr oft zum Einsatz. Wo man keine Antwort auf die gestellte Frage hat, oder wo die Argumente für die eigene Meinung nicht ausreichen, da weicht man eben auf eine andere Frage aus, da definiert man die gestellt Frage einfach um. Zermürbungstaktik nennt man das.

Eine andere beliebte Methode ist es auch, sich um klare Definitionen der verwendeten Begriffe zu drücken, den gleichen Begriff bald in diesem, bald in jenem Sinn zu verwenden. Da redet man zum Beispiel in einem Satz von der Barmherzigkeit im Sinn vor Nächstenliebe, Hilfsbereitschaft, also vom barmherzigen Samariter, um die sich daraus ergebenden Konsequenzen auf die Barmherzigkeit im Sinn von Vergebung, Verzeihung, also vom barmherzigen Vater, anzuwenden, oder umgekehrt. Dass man so zu keinen brauchbaren Resultaten kommt, dürfe klar sein. Und dann der Gegenseite Dialogverweigerung vorzuwerfen, gehört ebenfalls mit zum Spiel der Dialogierer.

Man solle vielleicht zuerst einmal den Begriff Dialog klar definieren. Ein Gespräch, in welchem man mehr oder weniger bewusst einfach aneinander vorbei redet, das kann es doch nicht sein, es sei denn man verstehe unter Dialog die Taktik, jeder Wahrheitsfindung auszuweichen.



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