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Gedankensplitter - Einzeltext
Stefan Fleischer

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Seelsorge heute

Was ist christliche Seelsorge?
 
23. März 2021

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Etwas, das sich in den letzten Jahrzehnten in unserer Kirche grundlegend verändert hat, ist die Seelsorge. In meiner Jugendzeit war diese klar definiert als die Sorge um das ewige Heil der unsterblichen Seelen. Heute ist sie de facto die Sorge um das psychische und physische Heil des Menschen.

Ermöglicht wurde dieser Wandel durch das Schlagwort: «Einen Leib-Seele Dualismus gibt es nicht.» Das mag in einem bestimmten Sinn auch stimmen. Für uns einfache Gläubige aber war und ist seit Kindesbeinen klar. Der Mensch hat einen materiellen und deshalb vergänglichen, sterblichen Körper. Dieser Körper löst sich nach dem Tod auf und auch die perfekteste Technik wird nie in der Lage sein, ihn dann wieder herzustellen. Der Mensch hat zudem gewisse spirituelle Fähigkeiten. Er hat einen Verstand, eine Intelligenz. Er hat Gefühle. Hier sprechen wir von der Psyche. Diese ist untrennbar mit dem Körper verbunden, sodass auch sie im Tod vernichtet wird. Der Glaube aber lehrt uns die Auferstehung der Toten. Paulus sagt dazu: «Nun könnte einer fragen: Wie werden die Toten auferweckt, was für einen Leib werden sie haben? Was für eine törichte Frage! Auch das, was du säst, wird nicht lebendig, wenn es nicht stirbt. Und was du säst, hat noch nicht die Gestalt, die entstehen wird; es ist nur ein nacktes Samenkorn, zum Beispiel ein Weizenkorn oder ein anderes. Gott gibt ihm die Gestalt, die er vorgesehen hat, jedem Samen eine andere.» (1.Kor 15,35-38)

Zudem aber lehrt uns der Glaube, dass jeder Mensch eine unsterbliche Seele besitzt. Sie ist etwas grundlegend anderes als die Psyche. Sie ist rein geistig, in ihrem tiefsten Wesen unabhängig von dieser materiellen Welt. Sie ist ein ungeschuldetes Geschenk des Schöpfers an jedes einzelne seiner menschlichen Geschöpfe. Sie ist die Fähigkeit, an seiner Göttlichkeit teil zu haben. Sie ist das, was den Menschen erst zu einem Menschen macht. Sie ist auch der Grund jener Freiheit, die uns vom Tier unterscheidet. Sie beinhaltet sogar die Freiheit Gott entgegen zu treten mit einem «Non serviam – ich werde nicht dienen.» Sie wird sich beim Endgericht wieder mit ihrem Körper vereinigen, zur ewigen, glücklichen Beziehung mit Gott, oder dann zur ewigen Gottferne.

Seelsorge im wahrhaft christlichen Sinn ist also die Sorge, dass alle Menschen ihre von ihrem Schöpfer geschenkte Freiheit nutzen, um einst zu dieser ewigen Freude zu gelangen. Sie ist deshalb die Sorge den Menschen den richtigen Weg dorthin zu weisen. Und sie ist nicht zuletzt die Sorge, allen, die vom Weg abgewichen sind, zu helfen, wieder dorthin zurück zu finden, indem sie ihnen die Verdienste und Gnaden anbietet und vermittelt, welche Christus der Herr uns durch sein Leben, sein Leiden und Kreuz und durch seine Auferstehung geschenkt hat.

Die Frage an uns alle aber ist, wollen wir das? Wie gesagt, wir sind frei. Wir haben unser ewiges Schicksal selbst in der Hand. Es gehört also auch zur Seelsorge, wie sie jedem von uns aufgetragen ist, zu unserer eigenen Seele Sorge zu tragen.


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