Gedankensplitter - Einzeltext
Stefan Fleischer

Alle Texte sind im Menu links aufrufbar

Allerseelen  

Die Verwässerung der Lehre

3. November 2014

Aphorismen
Gedanken-
splitter

Gedanken-
splitter Archiv

vernachlässigte Aspekte
vernachlässigte Aspekte Archiv
Weihnachts-
geschichten

Spruch der
Woche






"Nachdem die Kirche gestern einen Blick der Freude und Hoffnung empor gerichtet hat in das Reich der Glorie, wendet sie sich heute tröstend denjenigen Kindern zu, die noch am Läuterungsort weilen. Für alle Armen Seelen bringt sie heute fürbittend das heilige Opfer dar, besonders für die, deren sonst keiner gedenkt. Die Lebenden aber mahnt sie, mit Ernst sich der letzten Dinge zu erinnern, indem sie zugleich in ihnen die Hoffnung stärkt auf die glorreiche Auferstehung." Diesen Leitgedanken setzte das Volksmessbuch Bomm, Ausgabe 1955, vor das Fest Allerseelen.

Was wir heute meist zu diesem Fest vorgesetzt bekommen zeigt deutlich, wie weit die Verwässerung der Lehre der Kirche schon fortgeschritten ist. Ich selber habe dieses Jahr kein einziges Mal das Wort „Fegfeuer“ oder „Ort der Reinigung“, wie es heute beschönigend heisst, gehört. Selbst vage Andeutungen dieses Geheimnisses unseres Glaubens musste man mit der Lupe suchen. Die „Armen Seelen“ gingen vergessen unter einem Schwall von Worten von Gedenken und Verbundenheit mit unseren lieben Verstorbenen, wobei es niemandem in den Sinn kam, auch jene zu erwähnen, für die niemand betet. Warum man eigentlich für die Verstorbenen beten sollte, war auch nirgends wirklich klar. Vielmehr erschien das ewige Heil eher als ein Rechtsanspruch Gott gegenüber, als ein Akt seiner Barmherzigkeit, auch wenn dieses Wort in aller Munde lag. Der ganze Ernst der letzten Dinge blieb ebenfalls aussen vor. Umkehr und Busse waren tabu. Vom Gericht war nirgends die Rede. Und da die Heilige Eucharistie in der Verkündigung schon längst ihren Opfercharakter verloren hat, waren Messstipendien für die Armen Seelen wie auch Ablässe auch kein Thema mehr.

„Die Gottesfrage klopft an die Türe unserer Kirche.“ Wenn es nicht gelingt, das Steuer herum zu reissen und Gott wieder ins Zentrum zu stellen, den ganzen, grossen, heiligen, allmächtigen und gerechten Gott, dann kann nur noch ein Wunder unsere Kirche retten. Dabei sind doch die Liebe Gottes und seine Barmherzigkeit für uns um so grösser und wertvoller, je grösser und wichtiger Gott für uns ist. Verkünden wir also wieder die Botschaft, ob man es hören will, oder nicht, und lassen wir uns nicht von der Welt vorschreiben, was wir noch sagen dürfen und was nicht mehr.



******



Home
weitere Texte
Archiv
nach oben