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Gedankensplitter - Einzeltext
Stefan Fleischer

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Eine andere Kirche

ein anderer Gott
 

16. Juli 2020

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«Die Kirche ist nicht mehr die gleiche wie vor vierzig Jahren.» Das sagte unsere Pfarreiseelsorgerin in einem Interview in unserem Kirchenblatt. Wer würde dem widersprechen? Was hat sich nicht alles geändert, nicht erst seit vierzig Jahren. Das begann lange vorher, unmerklich und schleichend. Seit etwa vierzig Jahre jedoch gewinnen immer mehr jene Stimmen die Oberhand, welch das als normal, gut oder gar notwendig erklären.

Damit wir uns richtig verstehen. Es geht hier nicht um all jene Änderungen in der Kirche, bei denen es um rein zeitbedingte Elemente handelt. Dass man alte Zöpfe abschneidet, sinnlose Gewohnheiten streicht und/oder ersetzt etc., das ist ein normaler geschichtlicher Prozess. Dass man aber dabei das Kind mit dem Bad ausschüttet, das ist die grosse Gefahr. Dass dabei leicht sogar grundlegende Glaubenswahrheiten Gefahr laufen, dem Zeitgeist angepasst zu werden, ist gar nicht so leicht zu vermeiden.

In vielen Bereich in unserer Kirche ist solches geschehen. Das wird je länger je offensichtlicher. Und heute wird dies – wie Beispiel zeigt – immer mehr als Errungenschaft der Neuzeit angepriesen. Eines aber wird noch immer sorgfältig unter dem Deckel gehalten. Die grosse Mehrheit der Gläubigen, selbst des «Kaders», ist wohl noch nicht reif für diese Erkenntnis. Es geht darum, dass mit der neuen Kirche auch ein neuer Gott Einzug hält.

Der Gott meiner Jugend war unbestrittenermassen jener, welcher dem Menschen entgegen tritt mit dem Anspruch: «Ich bin der Herr, dein Gott, du sollst …» Natürlich war er auch der «liebe Gott». Er war auch der Barmherzige. Er war aber auch der Gerechte. Und in all dem war er zuerst einmal Gott, jener Gott, dessen erstes und wichtigstes Gebot lautete: «Darum sollst du den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen und ganzer Seele, mit all deinen Gedanken und all deiner Kraft.» Heute haben wir einen Gott – auch wenn es noch nicht offen und ehrlich gesagt wird - dem es nicht so wichtig ist, ob wir uns um ihn kümmern oder nicht. Wenn wir es wollen, hilft er uns, aber sonst dürfen wir tun und lassen, was sich gut anfühlt. Das aber ist nicht mehr der christliche Gott, der Gott der Bibel, sondern der Gott des moralistisch-therapeutischen Deismus.

Der Leiter dieser Bewegung, Evangelical Bishop of MTD Joel Frozen, sagt dazu: „Uns wurde bewusst, dass der grösste Teil aller Menschen bereits nach diesem Glaubensbekenntnis lebt, aber wir möchten ihnen helfen, sich darin noch weiter zu vervollkommnen. Deshalb liegt es nahe, eine Bewegung zu gründen, in der Hoffnung, dass am Ende alle Kirchen, Synagogen, Tempel und Moscheen uns beitreten werden. Wir sind überzeugt: Unsere Bewegung ist die Hoffnung von Jesus, dass sein Gebet um die Einheit aller Menschen endlich in Erfüllung geht.“ 

Die grosse und dringliche Frage für unsere Kirche, ja für das ganze Christentum ist nun, wollen wir diesen Gott? Wollen wir uns vom Gott unserer Väter abwenden und diesem Götzen anhangen, welcher uns das Heil in dieser Welt verspricht? Oder entscheiden wir uns so, wie es in der Schrift steht: «Ich aber und mein Haus, wir wollen dem Herrn dienen.»? (Jos 24,15)


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