Vernachlässigte Aspekte - Einzeltext
Stefan Fleischer

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Mündige Christen?

1 Kor 11,27-29

  Wer hat Angst vor „Drohbotschaften“?
 

08. Juni 2015
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Wer also unwürdig von dem Brot isst und aus dem Kelch des Herrn trinkt, macht sich schuldig am Leib und am Blut des Herrn. Jeder soll sich selbst prüfen; erst dann soll er von dem Brot essen und aus dem Kelch trinken. Denn wer davon isst und trinkt, ohne zu bedenken, dass es der Leib des Herrn ist, der zieht sich das Gericht zu, indem er isst und trinkt.

Der Kommentator meines Bibelkalenders schreibt dazu in einer Nebenbemerkung: „Es ist interessant, festzustellen, dass dieser Text des heiligen Paulus zum unwürdigen Kommunionempfang in der gesamten Leserordnung der Liturgie nicht mehr vorkommt!“

Warum eigentlich? „Nur keine Drohbotschaften!“ werde sich die Verantwortlichen gesagt haben. Aber sind wir mündigen Christen von heute wirklich nicht mehr in der Lage, mit Warnungen umzugehen? Dabei lehren uns doch die tagtäglichen Verbote und Warnungen – denken wir nur an den Strassenverkehr – dass solche erst dann zur Drohbotschaft werden, wenn wir nicht bereit sind, sie ernst zu nehmen und sie missachten? „Drohbotschaften“ seien mit der Liebe Gottes nicht vereinbar, sagt man heute. Als unmündiges Kind habe ich in meinem Elternhaus erlebt, dass ein ernstes „Jetzt ist aber Schluss, sonst … “ meines Vaters durchaus mit seiner Liebe zu mir vereinbar war, ja seiner Liebe und Sorge für mich entsprangen. So sollte ich mir doch auch jetzt, als mündiger Christ, bewusst sein, dass die Warnungen Gottes und der Kirche aus der väterlichen Sorge um uns, aus dieser Liebe heraus entstehen. Sie ernst zu nehmen macht uns nun gerade nicht unmündig, sondern mündig. Das erst ermöglicht uns, all unser Tun und Lassen vor Gott und den Menschen verantworten zu können. Und wenn sich dann trotzdem einmal ein Fehler, eine Sünde einschleicht, so dürfen wir uns daran erinnern, dass Gott auch damit gerechnet hat – sonst hätte er uns ja nicht gewarnt – und dass er deswegen seiner Kirche den Dienst der Vergebung aufgetragen hat – aus derselben, reinen Liebe.


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