Vernachlässigte Aspekte - Einzeltext
Stefan Fleischer

Alle Texte sind im Menu links aufrufbar

Vom anvertrauten Geld und dem Reich Gottes

  Lk 19,11-14
 
eine bessere Welt

27. August 2020
Gedanken-
splitter Archiv

Aphorismen
Gedanken-
splitter

vernachlässigte Aspekte
vernachlässigte Aspekte Archiv
Weihnachts-
geschichten






Weil Jesus schon nahe bei Jerusalem war, meinten die Menschen, die von all dem hörten, das Reich Gottes werde sofort erscheinen. Daher erzählte er ihnen ein weiteres Gleichnis. Er sagte: Ein Mann von vornehmer Herkunft wollte in ein fernes Land reisen, um die Königswürde zu erlangen und dann zurückzukehren. Er rief zehn seiner Diener zu sich, verteilte unter sie Geld im Wert von zehn Minen und sagte: Macht Geschäfte damit, bis ich wiederkomme. Da ihn aber die Einwohner seines Landes hassten, schickten sie eine Gesandtschaft hinter ihm her und ließen sagen: Wir wollen nicht, dass dieser Mann unser König wird.

Wer kennt es nicht, das Gleichnis vom anvertrauten Geld? Meist wird es uns in der Fassung von Matthäus 25,14-31 vorgetragen: “Dem einen gab er fünf Talente Silbergeld, einem anderen zwei, wieder einem anderen eines, jedem nach seinen Fähigkeiten.“ Die Fassung von Lukas 19,11-28 ist sehr ähnlich. Doch Lukas erwähnt den Anlass zu dazu. „Weil Jesus schon nahe bei Jerusalem war, meinten die Menschen, die von all dem hörten, das Reich Gottes werde sofort erscheinen.“ Er nennt auch den Anlasse der Reise jenes reichen Mannes, die Erlangung der Königswürde, und die Reaktion (eines Teils) der Einwohner jenes Landes: „Wir wollen nicht, dass dieser Mann unser König wird.“

Damit wird nun dieses Gleichnis für unsere heutige Zeit äußerst aktuell. Läuft nicht auch unsere Verkündigung oft drauf hinaus (oder verführt viele zu einer solchen Haltung) das Reich Gottes werde sofort - oder zumindest bald – erscheinen. Das hänge nur vom guten Willen aller Menschen, insbesondere von uns Gläubigen ab. Und dieses Reich sei ein irdisches Reich, das irdische Heil des Menschen.

„Ein Mann von vornehmer Herkunft wollte in ein fernes Land reisen, um die Königswürde zu erlangen und dann zurückzukehren“ heißt es im Gleichnis. Ist es wirklich so abwegig zu denken, Christus könne damit sich selber gemeint habe, er spreche hier von seiner Himmelfahrt und seiner Wiederkunft am Ende der Zeit? Und in seiner göttlichen Allwissenheit sehe er doch auch voraus, dass viele Menschen - heute vielleicht sogar mehr denn je - sagen werden: „Wir wollen nicht, dass dieser Mann unser König wird.“ Dann aber würde oder sollte uns Vers 27 in diesem Gleichnis zum Nachdenken anregen: „Doch meine Feinde, die nicht wollten, dass ich ihr König werde bringt sie her und macht sie vor meinen Augen nieder!“ Eine brutale Aussage für unsere Ohren. Zur Zeit Jesu war das aber die übliche Reaktion auf eine Rebellion.

Die Frage, ob Christus wahrhaft unser Herr ist, und ob er demzufolge auch „herrschen“ darf, stellt sich heute mehr denn je. Für wie viele Geistliche und Gläubige scheint ein solcher Gedanke tabu zu sein. Dabei ist doch herrschen an sich eine neutrale Aufgabe. Ein guter Herr wird gut herrschen, im Interesse all seiner Untertanen. Ein schlechter Herr wird schlecht herrschen, einfach nur in seinem Interesse, nach Lust und Laune. Wenn wir nun sagen „Gott ist Liebe“ müssten wir dann nicht logischerweise glauben, dass Gott in Liebe herrscht. Und wenn wir dann noch auf das Kreuz Christi blicken wird uns klar, dass wir einen Herrn haben, der lieber selber leidet als uns leiden zu lassen.

Die Geschichte von den Talenten/Minen zeigt uns dann, wie wir diese Zeit, bis zur Wiederkunft unseres Herrn am jüngsten Tag leben sollen. Wir müssen mit den Talenten und Fähigkeiten, welche Gott uns anvertraut hat, „Geschäfte“ machen, das heisst sie im Sinn und Geist unseres Herrn gebrauchen, den Willen Gottes damit erfüllen. „Das Reich Gottes ist dort, wo Gottes Wille geschieht.“ So werden uns auch alle anderen Stellen der Schrift klar, welche für Ungläubige so tönen, als ginge es zuerst, oder sogar nur, um eine bessere Welt hier und jetzt. Für uns Christen ist eine solche einfach nur eine Konsequenz davon, wenn wir uns bemühen immer und überall Gottes Willen zu tun. „Dann wird uns alles andere hinzu gegeben“ (vgl. Mt 6,33)

 „Wir sind auf Erden um Gott zu dienen und einst in den Himmel zu kommen.“ So einfach drückte der alte Katechismus den Sinn unseres Lebens aus. Wären wir alle treue Diener des besten aller Herren, wie nahe wären wir einem Himmel auf Erden und wie sicherer würden wir dann auch unser Ziel, die ewige Heimat, erreichen.
 
******



Home
weitere Texte
Archiv
nach oben