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Apropos  Werke der Barmherzigkeit

Falsch wäre es meines Erachtens wenn wir einerseits, die Barmherzigkeit auf die Flüchtlingsfrage etc. reduzieren und dabei unsere Allernächsten vergessen oder gar benachteiligen würden, andererseits, wenn wir die Werke der Barmherzigkeit auf die leiblichen beschränken und die geistlichen vergessen würden, und drittens, wenn wir die «zufälligen» übersehen würden , jenen, welche uns Gott in unserem konkreten Leben und Alltag «zufallen» lässt.

Das Gleichnis vom barmherzigen Samariter bezieht sich auf einen einzigen Aspekt der christlichen Barmherzigkeit. Der Vollständigkeit halber hier noch die Liste der 14 Werke der Barmherzigkeit, welche sich im Leben der Kirche herausgeschält haben. Wir sollten davon keines bevorzugen oder vernachlässigen.

•    Die Hungrigen speisen.
•    Den Dürstenden zu trinken geben.
•    Die Nackten bekleiden.
•    Die Fremden aufnehmen.[2]
•    Die Kranken besuchen.
•    Die Gefangenen besuchen.
•    Die Toten begraben.
•   
•    die Unwissenden lehren.
•    die Zweifelnden beraten.
•    die Trauernden trösten.
•    die Sünder zurechtweisen.
•    den Beleidigern gerne verzeihen.
•    die Lästigen geduldig ertragen.
•    für die Lebenden und Verstorbenen beten.

                             2019_07_18




Apropos  barmherziger Samariter

Im Gespräch nach dem Gottesdienst heute erzählte mir ein indischer Priester, der in der Schweiz studiert, die Väter hätten noch einen anderen Aspekt des Gleichnisses gekannt. Darin sei der barmherzige Samariter Christus selbst, der unter die Räuber gefallene sei der Mensch, die Herberge sei die Kirche, und mit dem Öl und der Wein seien die Sakramente, vornehmlich die Heilige Beichte gemeint.

Wenn wir aber im barmherzigen Samariter auch unseren Herrn sehen, dann umfasst doch unsere Nächstenliebe als Nachfolge Christi nicht nur die leiblichen Werke der Barmherzigkeit, sondern auch die geistlichen. Dann müssen wir doch auch unsere geistlich leidenden Nächsten sehen, uns ihnen zuwenden, ihre Wunden reinigen und verbinden, und sie zur Herberge der Kirche bringen, wo sie gesund werden und sich erholen können. Dort können wir dann auch unsere «Denare» des Gebetes für sie hinterlegen, damit wir uns alle einst in der ewigen Heimat wiedersehen werden.

                             2019_07_15




Apropos  Gottes Liebe

«Sich von Gott "finden" und lieben zu lassen über alles eigene Suchen, Wagen und Tun hinaus.» Ja, auch das gehört dazu. Wir haben aber heute ein grosses Problem (das wir vermutlich unserer einseitigen Verkündigung verdanken), dass wir uns ganz gerne von Gott lieben lassen (und alles tun um in den Genuss eines solchen Gefühls zu kommen), aber dass es auch heisst: «Darum sollst du den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen und ganzer Seele, mit all deinen Gedanken und all deiner Kraft.» (Mk 12,30), das vergessen wir nur allzu gerne. Dabei beruht doch jede wahre Beziehung auf Gegenseitigkeit, also auch die Gottesbeziehung. Erfahren wir vielleicht deshalb Gottes Liebe oft so wenig, weil wir uns zu wenig bemühen, ihn wahrhaft zu lieben, auch dort, wo wir ihn nicht mehr verstehen? Wahre Liebe aber ist nicht nur ein Gefühl. Sie ist immer auch ein Willensakt.

                             2019_07_14




Apropos  gesellschaftpolitisch

"Die gesellschaftspolitischen Anliegen zu vertreten" ist - wenigstens so wie das Evangelium in meiner Jugend verkündet wurde – nicht der Grund, weshalb der Sohn Gottes Mensch geworden ist, sondern: «er wird sein Volk von seinen Sünden erlösen.» (vgl. Mt 1,21 / Ps 130,8) Je mehr der Mensch sich aus seinen Sünden erlösen lässt, desto mehr kommen dieses Reich Gottes und jene Gerechtigkeit, von denen der Herr verspricht, dass uns alles andere hinzu gegeben werden wird. (vgl. Mt 6,33) Darum kann es nur heissen: «Kehrt um zu ihm, Israels Söhne, / zu ihm, von dem ihr euch so weit entfernt habt.» (Jes 31,6) Wir müssen wieder das wollen (und von unseren Gremien fordern) was Gott will, nicht das, was die Menschen wollen. (vgl. Mk 8,33) Und wir müssen wieder mit dem Kreuz gehen, Christus mit seinem Kreuz bekennen, wie Papst Franziskus sagt. «Ohne mich (und mein Kreuz) könnt ihr nichts vollbringen.» (vgl. Joh 15,5)

                             2019_07_10




Apropos   Wahrheit

Immer wieder erleben wir Diskussionen im Bereich des Glaubens, welche zu meiner Jugendzeit noch undenkbar gewesen wären. Die allermeisten, auch der einfachen Gläubigen, wussten damals noch ziemlich genau, was die Kirche lehrt - gerade auch in Bezug auf Kreuz, Sünde, Erbschuld, Todsünder, Busse, Vergebung, Beichte, Reue (vollkommene und unvollkommene) etc. Wenn Fragen waren bekam man von allen Geistlichen die praktisch gleichen Antworten.

Das Unwissen, das sich heute in fast allen Diskussionen zu Glaubensfragen zeigt, ist erschreckend. Aber es ist andererseits auch wieder ähnlich der Situation in allen anderen Bereichen. Der Mensch wird immer mehr dem Computer ähnlich. Er hat eine Unmenge an Wissen gespeichert. Aber wenn es um die Wahrheit geht, oder wenn die Zusammenhänge ausgelotet werden müssten, dann versagt er jämmerlich. Und von drei «Experten» erhält er fünf verschiedene Meinungen.

«Wohin soll ich mich wenden?» Mindestens unsere Kirche sollte wieder ihre Aufgabe wahrnehmen, «die Wahrheit zu verkünden, die ganze Wahrheit und nichts als die Wahrheit».
 
                             2019_07_08 




Apropos   Vergebung (2)

Im Evangelium von heute ist mir ein Wort unseres Herrn aufgefallen, das meines Erachtens auch in diesem Zusammenhang sehr hilfreich sein kann. «Wenn ihr in ein Haus kommt, so sagt als erstes: Friede diesem Haus! Und wenn dort ein Mann des Friedens wohnt, wird der Friede, den ihr ihm wünscht, auf ihm ruhen; andernfalls wird er zu euch zurückkehren.» (Lk 10,5-6) Meinen Schuldigern zu vergeben dürfte einiges leichter fallen, wenn wir diesen Gedanken auch auf unser Problem anwenden. Wenn die Person, der wir vergeben, der Vergebung würdig ist und fähig sie zu empfangen, dann wir sie auf ihm ruhen; andernfalls wird sie zu uns zurückkehren. Handelt nicht auch Gott an uns genauso?
 
2019_07_07



Apropos   Vergebung

Je mehr ich es mir überlege desto mehr denke ich, dass ein grosses Problem von heute ist, dass wir Gottes Gerechtigkeit verdrängen, wenn nicht gar leugnen, dass wir nur noch seine Liebe und Barmherzigkeit gelten lassen. Das ist sehr bequem, wenn es um unsere eigene Schuld geht. Das aber schafft ein Riesenproblem, wenn es um die Schuld anderer geht. Dann müssen wir nämlich selber unser Recht einfordern, ja erkämpfen. Wären wir uns mehr bewusst, dass schlussendlich Gott der gerechte Richter der Lebenden und der Toten ist, bei dem es weder faule Ausreden noch billige Entschuldigungen gibt, so könnten wir leichter dem Nächsten verzeihen und dabei Gott sagen: «Ich verzeihe ihm, d.h. ich bemühe mich, weil Du es willst. Aber ich vertraue darauf dass Du mir zu meinem Recht verhelfen wirst, auf deine für uns Menschen oft so unergründliche Art.»



Apropos   Weisheit

«Die Weisheit ist weiblich!» behauptete jüngst eine Feministin. Wer würde dem widersprechen. Die Weisheit hat einen weiblichen Artikel in allen Sprachen, die ich kenne. Sie zeichnet sich aber auch durch eine sehr weibliche Eigenschaft aus, die Bereitschaft zum hingebenden Dienen. Sie ist sich nicht Selbstzweck, sie dient Gott und sie dient uns Menschen. Sie hat zwar eine sehr grosse Macht, aber nicht die Macht des Mannes, der dazu neigt, sich mit Gewalt durchzusetzen. Ihre Macht besteht darin, dass sie sich dienend als unentbehrlich erweist, sodass auch der stärkste Mann nicht um sie herumkommt. Sie befiehlt nicht, sie stellt sich nicht über andere, aber sie leitet alle und alles mit den Waffen der Frau. Sie ist eine der grössten Gaben, die Gott einem Menschen schenken kann.



Apropos   Die Waffen der Fau

Unsere Vorfahren haben oft von "den Waffen der Frau" gesprochen. Sie meinten damit jenen Wesenszügen und Eigenschaften, mit welchen sie uns Männer zum Teil massiv überlegen sind. Sollten wir nicht miteinander (und nicht gegeneinander) überlegen, welche das sind und wie wir diese am besten zum Nutzen der Gemeinschaft einsetzen können. (Vielleicht würden wir uns dann auch wieder mehr unserer je eigenen Schwächen bewusst werden, welche wir mit der Hilfe Gottes energisch angehen sollten.)



Apropos Heiliger Geist

Die Lehre der Kirche ist klar: Gott ist der dreifaltig Eine, also ein Wesen in drei konkreten Personen. Dementsprechend ist der Heilige Geist genauso eine konkrete Person wie der Vater und der Sohn. Zu ihm können wir genauso eine ganz persönliche Beziehung aufbauen und pflegen wie zum Vater und dem Sohn. Wir dürfen nur auch ihn nicht aus dem einen Wesen, Gott, herauslösen, so wie wir es auch mit den beiden anderen Personen nicht tun dürfen. Dieses von Gott selbst geoffenbarte Geheimnis erschliesst sich uns im Glauben, soweit wir es in unserer menschlichen Begrenztheit überhaupt zu erfassen fähig sind. Deshalb sollten wir auch wo immer möglich ganz klar vom Heiligen Geist sprechen und irgendwelche schwammige oder gar verharmlosende Umschreibungen meiden. «Herr, ich glaube, hilf meinem Unglauben». (Mk 9,24)



Apropos Gebet

Die Quintessenz einer Diskussion zum Stundenbuch war klar: Ja, es geht im Leben aus dem Glauben nicht ohne eine regelmässige, bewusst gepflegte Gottesbeziehung im Gebet. Wie jede Beziehung ist auch die Gottesbeziehung nur echt in der Gegenseitigkeit, auch wenn dabei - etwas weltlich ausgedrückt - Gott den grössten Teil leistet. In unserem eigenen Interesse erwartet er von uns, dass auch wir unseren Teil beitragen.

Das Stundengebet ist eine sehr gute Möglichkeit, diese Gegenseitigkeit zu pflegen. Für andere ist es vielleicht das tägliche Rosenkranzgebet. Um neu zu beginnen genügt oft auch die Wiederbelebung des Morgen- und Abendgebetes, des Tischgebetes und nicht zuletzt der Stossgebete. Hohe Schule ist es dann wohl all das harmonisch zu vereinen.

2019_06_24  


Apropos Kirche

Kirche sei zu verstehen als ein Miteinander an einem wärmenden Feuer, erklärte gemäss unserer Zeitung jüngst eine reformierte Pfarrerin. Der Spruch könnte auch in einer modernen katholischen Kirche gefallen sein. Und an sich ist er nicht einmal falsch. Das Problem ist nur, dass heute praktisch niemand mehr verkündet und dass deshalb fast niemand mehr wirklich weiss und glaubt, was - das heisst natürlich wer - dieses wärmende Feuer ist. Das Problem ist, dass dieses Feuer im Miteinander von uns Menschen gesucht wird, statt im real existierenden, personalen, in der Geschichte handelnden, dreifaltig einen Gott, in der Beziehung zu ihm. Das Problem ist, dass das Miteinander unter uns Menschen als von uns selber machbar angesehen wird, dass Gott zur Randfigur in unserer Welt und Kirche geworden ist. Das Problem ist, dass der moderne Mensch in allem anderen sein Heil sucht, nur nicht mehr im Kreuz, in der Erlösung aus Sünde uns Schuld durch Tod und Auferstehung unseres Herrn. «Wenn die Trompete unklare Töne hervorbringt, wer wird dann zu den Waffen greifen? (1.Kor 14,8) Neuevangelisation ist dringend geboten.



Apropos glauben

«Glauben heisst für wahr halten, was Gott uns geoffenbart hat.» So lernten wir es damals in unserem Religionsunterricht. Wie aber kann der Mensch von heute glauben, wenn er nicht mehr glaubt, dass sich Gott uns geoffenbart hat? Doch wie kann er an eine Offenbarung Gottes glauben, wenn niemand mehr ihm das zu verkünden wagt? Und wie kann jemand diese Verkündigung wagen, wenn er selber nicht mehr wahrhaft glaubt?

Der Schritt aus diesem Teufelskreis heisst: «Herr, ich glaube, hilf meinem Unglauben!» (Mk 9,24) Der Glaube ist ein Geschenk Gottes, lehrt uns die Kirche. Aber er ist ein Geschenk, das man annehmen muss. In diesem Sinn ist er auch ein Willensakt. «Ich will! / Das Wort ist mächtig, Spricht's einer ernst und still; / Die Sterne reißt's vom Himmel / Das eine Wort: Ich will!» Wenn dies irgendwo gilt, so sicher hier. Wenn das Unmögliche möglich werden kann, so hier. Aber, wenn der Mensch irgendwo wirklich frei ist, so genau hier.



Apropos Politik

Es ist gut, dass unser Heiliger Vater uns daran erinnert, dass wir uns politisch engagieren müssen. Das gehört zu den Aufgaben von uns Christen, von uns Laien. Wir dürfen die Politik nicht den anderen überlassen, auch nicht den kirchlichen Funktionären. Die Kirche hat die Aufgabe, uns in den grundlegenden Fragen zu belehren. Wenn wir Laien dann nicht in der Lage sind, die Tagespolitik christlich zu gestalten, dann hat sie etwas falsch gemacht.

Wir dürfen nie vergessen, dass Politik immer mit Parteiungen zu tun hat, die Kirche aber für Gemeinschaft steht, für eine Gemeinschaft über alle politischen und anderen Polarisierungen hinweg, für eine Gemeinschaft im Glauben. «Schuster bleib bei deinen Leisten!» Nur so tragen wir die unvermeidlichen politischen Streitereien nicht in unsere Kirche hinein.



Apropos Umweltschutz

«Ich habe genug vom Umweltschutz.» erklärte mir jüngst ein Freund. Als ich ihn komisch ansah erklärte er: «Ich kämpfe für die Bewahrung der Schöpfung!» Als ich ihm entgegnete, das sei doch das selbe, meinte er: «Gar nicht! Umweltschutz ist menschzentriert. Bewahrung der Schöpfung ist theozentriert. Ist Dir nicht auch schon aufgefallen, wie selbst in unserer Kirche kaum noch die Rede von der Bewahrung der Schöpfung ist? Wie überall heute geht es immer mehr nur noch darum, was wir Menschen wollen, wie wir uns unser Heil vorstellen. Dass Gott vielleicht auch ein Wörtchen mitreden möchte, dass er vielleicht sogar die besseren Lösungen hat, das interessiert heute kein Schwein mehr. Und dass der Mensch schon einmal alles besser wissen wollte und damit die Welt ins Unheil stürzte, das wird tunlichst verschwiegen. Dann muss man nämlich auch nicht mehr davon sprechen, dass Gott uns schon erlöst hat, am Kreuz, nach seinem Plan und Willen, sodass wir nur noch umkehren müssten zu ihm, von dem wir uns so weit entfernt haben.»



Apropos Relativismus


Ich hatte gestern eine Diskussion zum Thema Gleichberechtigung mit einem bekennenden Relativisten. Dabei zeigte sich sehr deutlich das Problem dieser Leute. Sie selber haben keine sachlichen Argumente. Sie können ja logischerweise gar keine solche haben, wenn alles relativ ist. Sie sind aus dem gleichen Grund aber auch nicht in der Lage, auf sachliche Argumente einzugehen. So bleibt alles auf der Ebene von Behauptungen. Das führt dann zu Geschrei, Trotzreaktionen und Wutausbrüchen.

Das andere Problem ist, dass für solche Leute auch Gott in solchen Diskussionen nichts zu suchen und zu sagen hat. Man müsste ihn ja sonst als absolute Wahrheit anerkennen und damit den Relativismus an sich relativieren, wenn nicht gar widerlegen.

So aber verkommt die  – gerade aus diesen Kreisen – so oft beschworene Dialogfähigkeit zwangsläufig zur Farce.



Apropos konservativ


„"Ja sicher, wir müssen uns bewegen", sagte der Konservative, drehte sich um und ging zurück.“ spottete einer auf seinem Twitter. Ein Follower antwortete prompt: „denn er erinnerte sich an das Wort des Propheten: "Kehrt um zu ihm, Israels Söhne, / zu ihm, von dem ihr euch so weit entfernt habt.“ (Jes 31,6)"



Apropos Selbstverwirklichung


«Gott ist ein Gentleman, der sich vor uns niederkniet.» las ich kürzlich irgendwo. Das ist sicher nicht falsch, wenn es richtig verstanden wird. Aber für mich «vorkonziliaren Menschen» stimmt das so nicht. Für mich ist Gott kein Gentleman, sondern schlicht und einfach Gott, vor dem ich niederknie. Er ist der Herr. Er will im Zentrum meines Lebens stehen, damit ich mich nicht selbst ins Zentrum stelle. Er will, dass ich glaube, ihm glaube. Er will, dass ich ihm vertraue, seiner Allmacht und seiner Vorsehung. Er will, dass ich ihn liebe, mit all meiner Kraft. Alles andere, seine Erlösertat für uns, seine Liebe und Nähe, seine Barmherzigkeit etc. sind unverdiente Geschenke, für die mir nichts anderes übrigbleibt als zu danken, ihn zu loben und mich in Demut zu bemühen, seinen Willen zu tun. Ich bin überzeugt, dass meine wahre Selbstverwirklichung die Verwirklichung des Willens Gottes mit mir ist. «Alles meinem Gott zu Ehren!» und «An Gottes Segen ist alles gelegen!» Das haben mir meine Eltern ins Leben mitgegeben. Ich weiss, das ist heute schwer zu verstehen.



Apropos Wohlergehen

«Auf dass es dir wohl ergehe und du lange lebest auf Erden»

Wenn wir in die moderne Verkündigung hinein hören, so tönt es oft so, als sei dies der Sinn unseres Lebens. Aber diese Worte – hier in der Formulierung, welche wir in meiner Jugendzeit auswendig lernen mussten – stehen in der Schrift nicht als Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens. «Ehre deinen Vater und deine Mutter, wie es dir der Herr, dein Gott, zur Pflicht gemacht hat, damit du lange lebst und es dir gut geht in dem Land, das der Herr, dein Gott, dir gibt» lautet die ganze Stelle in Dtn 5,16. Wohlergehen und langes Leben sind also eine Folge der Einhaltung der Gebote. Und die Einhaltung der Gebote ist (oder sollte) nichts anderes sein als die Folge unserer Liebe zu Gott. «Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt …» (Joh 14,21) Etwas vereinfacht ausgedrückt könnte man also durchaus sagen: «Wir sind auf Erden um Gott zu lieben. Alles andere wird uns dann hinzu gegeben werden. (vgl. Mt 6,33)



Apropos "Der Schrei nach Liebe!"

Ich frage mich, warum heute so viele Menschen nach Liebe schreien, wo doch unsere modernen Theologen nicht müde werden von Gottes Liebe und Nähe zu uns zu predigen. Liegt es vielleicht daran, dass die so oft beschworene bedingungslose und grenzenlose Liebe Gottes nicht glaubwürdig ist, dass sie in den Stürmen des Lebens keinen Halt bietet? Liegt es vielleicht daran, dass Gott nicht mehr Gott sein darf, nicht mehr der gerechte Richter der Lebenden und der Toten, und demzufolge auch nicht mehr jener, zu dem wir mit dem Psalmisten schreien dürfen: "Herr, schaffe mir Recht gegen meine Feinde!" Liegt es daran, dass niemand mehr überzeugt und überzeugend von Gottes Gnade und Hilfe und von seiner Vorsehung spricht, auf die wir in jeder Situation vertrauen dürfen, auch wenn wir sein Handeln in dieser Welt oft nicht sehen und verstehen. Liegt es daran, dass uns niemand mehr anleitet in einer alltagstauglichen Beziehung zu ihm zu leben?



Apropos Fürssprecher

Im «Freitagsclub», wo wir «Alten» der Siedlung – ein jeder je nach Lust und Laune – zusammensitzen und «die Welt wieder auf den richtigen Standpunkt setzen» kam wieder einmal das Thema «Vitamin B» zur Sprache. Von da war es dann nicht weit bis zur Politik. Ja, wir Senioren hätten einfach keine richtige Lobby im Bundeshaus. Zu meinem persönlichen Abendgebet an diesem Tag gehörte dann das «Unter Deinen Schutz und Schirm» wo die Muttergottes angesprochen wird als «unsere Mittlerin, unsere Fürsprecherin».

Wenn ich zurückdenke an meine Jugend, da hatten wir bei Gott noch zumindest diese Fürsprecherin, die wir gerne anriefen. Und da hatten wir auch noch unsere persönlichen Schutzengel, unseren Namenspatron und all die vielen anderen Engel und Heiligen, ob sie nun im liturgischen Kalender vorkamen und in der Allerheiligenlitanei oder nicht. Das alles hat uns die moderne Theologie weitgehend genommen. Ob es aber richtig ist, auf dieses ganze Heer von «Lobbyisten» im Himmel zu verzichten, das wage ich zu bezweifeln. Wie das genau funktioniert, das wissen wir nicht. Dass es «funktioniert» ist eine Erfahrung unzähliger Menschen. Und in einer solchen Volksfrömmigkeit lassen sich viel leichter die ganze Nähe Gottes und seine unendliche Grösse zu einem Ganzen verbinden, zu einer ganz persönlichen Beziehung zu ihm, ohne zuerst dicke Bücher darüber lesen oder gar schreiben zu müssen.



Apropos relativ

"Ein junger Naseweis sprach einst zu seinem alten Rabbi: "Es ist doch alles relativ." Dieser schwieg eine Weile, dann antwortete er bedächtig: "Ja, Du hast Recht. Alles ist relativ, sogar die Tatsache, dass alles relativ ist."


Apropos Verkündigung

Seit langer Zeit schon geben sich viele Theologen sehr viel Mühe für eine Verkündigung, welche bei den Menschen ankommen soll. Mit wohlausgewogenen Worten, mit der Verharmlosung des Bösen, und der Verniedlichung Gottes, mit der Leugnung der Sünde und deren Darstellung als blosses Versagen versuchen sie, die Kirche für den Menschen von heute wieder schmackhaft zu machen. Und der Erfolg ist – gelinde gesagt - praktisch null.
Aber, ist das wirklich eine ganz neue Entwicklung? Hatte nicht schon Paulus solche "Mitarbeiter", sodass er schreiben musste: "Denn Christus hat mich nicht gesandt zu taufen, sondern das Evangelium zu verkünden, aber nicht mit gewandten und klugen Worten, damit das Kreuz Christi nicht um seine Kraft gebracht wird." (1.Kor 1,17) Müsste nicht auch die Kirche von heute wieder umkehren und zu einer Verkündigung zurückkehren, welche uns Christus als den Gekreuzigten vor Augen stellt, sodass wir im Kreuz wieder Gottes Kraft und Gottes Weisheit erkennen? (Vgl. 1.Kor 1,23-24) 

Apropos Dankbarkeit

Die Dankbarkeit gegenüber Gott wird heute sehr oft vergessen. Dabei ist doch Dankbarkeit Gott gegenüber eine der besten Möglichkeiten, die wir haben, die Beziehung zu ihm zu pflegen. Was fehlt Gott, das ich ihm schenken könnte? Wenn also meine Beziehung zu ihm nicht einseitig sein soll, dann bleibt mir doch nur die Dankbarkeit. Eine einseitige Beziehung aber ist keine Liebe. Wenn Gott unsere Liebe fordert, so doch wohl zuerst in der Form der Dankbarkeit. Aus der Dankbarkeit nämlich wächst ein Gefühl, das ich getrost Liebe nennen kann. Und Dankbarkeit ist andererseits etwas, womit ich meine Liebe zeigen kann, auch wenn das Gefühl im Augenblick schweigt. Ja, Dankbarkeit ist sogar dann möglich, wenn mein ach so wichtiges, kleines "Ich" beleidigt ist.
(Quelle: Heiligkeit für Anfänger Seite 42)


Apropos bedingungslos

Eine Barmherzigkeit, auf welche ich Anspruch habe, ist keine Barmherzigkeit, sondern ein Recht, und demzufolge eine Pflicht des Anderen. Wenn wir also von einer grenzenlosen und bedingungslosen Barmherzigkeit Gottes sprechen, dann müssen wir aufpassen, dass darunter nicht ein Pflicht Gottes verstanden wird, uns und allen anderen (mit bestimmten, von uns Menchen definierten Ausnahmen natürlich) Barmherzigkeit zu gewähren.
.


Apropos Lebenswirklichkeit

Die Lebensrealität aller Zeiten und Kulturen ist es, dass es das Böse in der Welt und im Menschen, ja in mir selber gibt. Wie kann man diese also als Quelle der Offenbarung erklären? Das Einzige, was sie uns offenbart, ist die Wahrheit der Erbschuld, der von den Stammeltern ererbten Neigung des Menschen, sein zu wollen «wie Gott und zu erkennen Gut und Böse». (vgl. Gen 3,5)
.


Apropos Auferstehung

Christus ist auferstanden. Er ist nicht einfach zurück im Leben. Er ist nicht einfach zurückgekehrt in sein irdisches Leben von damals. Er ist mit in seinen verklärten Leib auferstanden zu seiner ewigen Herrlichkeit. Er ging uns voraus, uns eine Wohnung beim Vater zu bereiten, deren Schlüssel wir mit der Erbschuld verloren und den er uns am Kreuz wieder zurück erworben hat. Einst in diese Wohnung zu gelangen, das ist unsere feste Zuversicht, unsere sichere Hoffnung. Wir müssen nur bereit sein, ihm dorthin zu folgen, auch wenn wir auf dem Weg dorthin dem Kreuz nie werden ausweichen können. Er hat versprochen, immer bei uns zu sein. Denken wir einfach daran: Hätte Christus auf seine Rechte als Sohn Gottes gepocht, wir wären nie erlöst worden.



Apropos Barmherzigkeit

Was wäre wohl geschehen, wenn der verlorene Sohn im Gleichnis eines Tages plötzlich auf dem Hof des Vaters aufgetaucht wäre und gesagt hätte: «So, da wäre ich wieder. Jetzt brauche ich zuerst einmal ein warmes Bad, einen anständigen Frass und gute Kleider. Alles andere sehen wir später.»?


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