Vernachlässigte Aspekte - Einzeltext
Stefan Fleischer

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  Eph 4,10-13
 
Die Ämterfrage

5. Juli 2020
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Derselbe, der herabstieg, ist auch hinaufgestiegen bis zum höchsten Himmel, um das All zu beherrschen. Und er gab den einen das Apostelamt, andere setzte er als Propheten ein, andere als Evangelisten, andere als Hirten und Lehrer, um die Heiligen für die Erfüllung ihres Dienstes zu rüsten, für den Aufbau des Leibes Christi. So sollen wir alle zur Einheit im Glauben und in der Erkenntnis des Sohnes Gottes gelangen, damit wir zum vollkommenen Menschen werden und Christus in seiner vollendeten Gestalt darstellen.

Das Stundengebet ist für mich als Laien natürlich absolut freiwillig, aber in der «Kurzform» von Laudes, Vesper und Komplet eine Gewohnheit geworden, welche ich mir, wenn immer möglich nicht mehr stören lasse. So gibt es natürlich Tage, an denen ich es am liebsten auslassen würde. Dann aber gibt es auch immer wieder Tage, an welchen es mir plötzlich Gedanken mitgibt, welche mich dann eine Zeit lang begleiten und/oder beschäftigen. So blieb ich kürzlich dabei an der Stelle des Epheserbriefes hängen, wo von Ämtern die Rede ist. Wäre es nicht gerade in der heutigen Zeit sehr nützlich, wieder einmal die Ämterfrage aus der Sicht des Völkerapostels zu betrachten?

Eines ist für Paulus absolut klar. Ämter in der Kirche sind Gaben des Herrn. Wo Christus nicht mehr der Herr ist, welcher «vom Himmel herab- und auf wieder hinaufstieg, um das All zu beherrschen», gibt es keine kirchlichen Ämter, sondern nur Funktionen. Das Wichtigste um die heutigen Ämterdiskussion zu beenden ist also die Rückbesinnung auf den Glaubenssatz: «Ich glaube an Jesus Christus, Gottes eingeborenen Sohn, unseren Herrn.» Wir müssen uns wieder bewusst machen, dass es kein Christentum und keine christlichen Werte geben kann, ohne Christus, den Herrn.

Ein weiteres ist, dass es unterschiedliche Ämter gibt. Interessant ist dabei zu sehen, dass für Paulus hier die Hierarchie nicht so wichtig zu sein scheint. Es geht ihm vielmehr darum, dass alle gemeinsam, jeder an seinem Platz und mit den ihm für sein Amt geschenkten Gaben, seinen Auftrag erfüllt. Vielleicht würde auch Paulus heute von Team sprechen, aber nicht im Sinn jener «organisierten Verantwortungslosigkeit» vor welcher wir einmal in einer Organisatorenausbildung gewarnt wurden, und welche man heute auch hier und dort in der Kirche antreffen kann, sondern im positiven Sinn einer Zusammenarbeit, in welcher sich jeder persönlich und alle gemeinsam vor dem einen «Chef», Christus dem Herrn, verantwortlich weiss. Alle Ämter haben nämlich eine gemeinsame Aufgabe, «die Heiligen für die Erfüllung ihres Dienstes zu rüsten, für den Aufbau des Leibes Christi.»

«So sollen alle zur Einheit im Glauben und in der Erkenntnis des Sohnes Gottes gelangen, damit wir zum vollkommenen Menschen werden und Christus in seiner vollendeten Gestalt darstellen.» Darin sieht Paulus Sinn und Zweck der Kirche. Darin erkennt er jenes Reich Gottes, von welchem der Herr sagt: «Euch aber muss es zuerst um sein Reich und um seine Gerechtigkeit gehen; dann wird euch alles andere dazugegeben.» (Mt 6,33) Von diesem Ideal sind wir noch sehr weit entfernt, ja wir entfernen uns immer mehr davon, je mehr wir den Menschen und sein irdisches Heil und Wohlergehen ins Zentrum von allem stellen und damit Gott und seinen eingeborenen Sohn, Christus den Herrn, an den Rand drängen. «Fried ist allweg nur in Gott!» sagte unser Landesvater Bruder Klaus. Das heisst auch «Einheit und Eintracht sind allweg nur in Gott, in unserem Herrn und Erlöser Jesus Christus». Wenn wir uns nicht wieder auf diesen Weg begeben, ist alles andere vergebliche Liebesmüh.

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