Vernachlässigte Aspekte - Einzeltext
Stefan Fleischer

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Glaube und Tat

  Jak 2,19
 
Aus dem Glauben handeln

28. Januar 2017
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Du glaubst: Es gibt nur den einen Gott. Damit hast du Recht; das glauben auch die Dämonen und sie zittern.

 
Für mich gehört der Abschnitt in Jakobus 2,14-26 (siehe unten) zu den am schwierigsten zu verstehenden des Neuen Testamentes. Und Vers 19 scheint mir zu jenen zu gehören, welche in der Verkündigung am wenigsten vorkommen. Aber, könnte nicht er der Schlüssel zu diesem Text sein?

„Jakobus wendet sich in diesem ganzen Abschnitt gegen eine mögliche Missdeutung der paulinischen Lehre.“ So steht es im Kommentar der Einheitsübersetzung. Ich glaube, aus dieser Optik müssen wir diesen Text auch lesen. Paulus betont immer wieder die Wichtigkeit, ja die Heilsnotwendigkeit des Glaubens. Dem will Jakobus sicher nicht widersprechen. Aber er weist nachdrücklich darauf hin, dass der Glaube kein Ersatz für die Werke ist, wie es offensichtlich gewisse Zeitgenossen verstanden haben. Gleichzeitig aber weist er auch darauf hin: „Du siehst, dass bei ihm (Abraham) der Glaube und die Werke zusammenwirkten und dass erst durch die Werke der Glaube vollendet wurde.“ So wenig wie der Glaube ohne  die Werke vollendet sein kann, so unvollkommen, ja ungenügend sind die Werke ohne den Glauben.

Darf nicht auch der angeführte Glaube der Dämonen in diesem Zusammenhang gesehen werden? Sie glauben an Gott, sie  zittern sogar vor ihm. Aber sie verweigern jene Tat, welcher dieser Glaube eigentlich verlangt,  die Ehrerbietung und den Gehorsam Gott gegenüber. Auf der anderen Seite wissen wir, dass die Dämonen durchaus nicht passiv sind. Doch sie handeln nicht aus dem Glauben heraus. Im Gegenteil, ihr Handeln ist ein Nein zu Gott und seinem Willen, und dies obwohl sie eigentlich glauben und wissen was Gott will.

Jenes Handeln von uns Menschen, das den Glauben nicht vollendet -  und deshalb genauso falsch ist wie ein Glaube, der keine Werke hervor bringt -  ist bei uns in den allermeisten Fällen nicht so bewusst gegen Gott und seinen Willen gerichtet. Im Grunde genommen aber ist es immer jenes Handeln, das selber wissen, selber entscheiden will, was gut und was böse ist. Damit ist es ein Handeln, das jenem der Dämonen durchaus vergleichbar ist, ein Handeln, das sein will wie Gott.

Zusammenfassend könnte man sagen: Glaube und Tat sind untrennbar miteinander verbunden und gleichermassen wichtig. Glaube und Tat sind die beiden Beine, auf welchen unsere Beziehung zu Gott steht. Wo eines ungenügend ist, wird es auch das andere. Wo eines fehlt, stirbt auch das andere. Gott will uns ganz, „mit Herzen, Mund und Händen“ wie wir in einem Lied singen. Dort geht es zwar primär um unseren Dank. Aber die Werke aus dem Glauben sind eine der besten Möglichkeiten, Gott unsere Dankbarkeit zu zeigen.

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Jak 2,14-26  -  Glaube und Tat:

Meine Brüder, was nützt es, wenn einer sagt, er habe Glauben, aber es fehlen die Werke? Kann etwa der Glaube ihn retten? Wenn ein Bruder oder eine Schwester ohne Kleidung ist und ohne das tägliche Brot und einer von euch zu ihnen sagt: Geht in Frieden, wärmt und sättigt euch!, ihr gebt ihnen aber nicht, was sie zum Leben brauchen - was nützt das? So ist auch der Glaube für sich allein tot, wenn er nicht Werke vorzuweisen hat. Nun könnte einer sagen: Du hast Glauben und ich kann Werke vorweisen; zeig mir deinen Glauben ohne die Werke und ich zeige dir meinen Glauben aufgrund der Werke. Du glaubst: Es gibt nur den einen Gott. Damit hast du Recht; das glauben auch die Dämonen und sie zittern. Willst du also einsehen, du unver-nünftiger Mensch, dass der Glaube ohne Werke nutzlos ist? Wurde unser Vater Abraham nicht aufgrund seiner Werke als gerecht anerkannt? Denn er hat seinen Sohn Isaak als Opfer auf den Altar gelegt. Du siehst, dass bei ihm der Glaube und die Werke zusammenwirkten und dass erst durch die Werke der Glaube vollendet wurde. So hat sich das Wort der Schrift erfüllt: Abraham glaubte Gott, und das wurde ihm als Gerechtigkeit angerechnet, und er wurde Freund Gottes genannt. Ihr seht, dass der Mensch aufgrund seiner Werke gerecht wird, nicht durch den Glauben allein. Wurde nicht ebenso auch die Dirne Rahab durch ihre Werke als gerecht anerkannt, weil sie die Bo-ten bei sich aufnahm und dann auf einem anderen Weg entkom-men ließ? Denn wie der Körper ohne den Geist tot ist, so ist auch der Glaube tot ohne Werke.



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