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Gedankensplitter - Einzeltext
Stefan Fleischer

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Heiligkeit ist

Handeln aus der Liebe
03. Juli 2018
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"Ohne Liebe hat das äussere Werk keinen Wert. Alles aber, was aus der Liebe geschieht, mag es auch noch so klein und unansehnlich sein, bringt reiche Frucht. Denn Gott sieht mehr auf die Gesinnung, die dein Tun beseelt, als auf deine Leistung. Vieles vollbringt, wer viel Liebe hat. Vieles vollbringt, wer eine Sache recht tut. Gut handelt, wer mehr der Gemeinschaft als seinem Eigenwillen dient."

So schreibt Thomas von Kempen (+1471) in seinem Buch "Die Nachfolge Christi" (Erstes Buch Kap. 15), ein Werk, das über Jahrhunderte nach der Bibel das meist veröffentlichte Werk der christlichen Literatur war, und grosse Theologen und Kirchenleute genau so in seine Bann zog wie ganz einfache Gläubige, bis zu jenem unbekannten Soldaten im Schützengraben des ersten Weltkrieges, dem ein Exemplar desselben in der Brusttasche seiner Uniform das Leben rettete.

"Oft scheint etwas wie Liebe zu auszusehen, und es ist mehr natürliches Begehren; denn die Neigung der Natur, der Eigenwille, die Hoffnung auf Entgelt und der Hang zur Bequemlichkeit verlangen immer ihr Recht. Wer wahre, vollkommene Liebe hat, sucht in keiner Sache sich selbst, hat vielmehr in allem nur Gottes Ehre im Auge."

Als ich vor vielen Jahren dieses Buch zum ersten Mal las, da erschien mir vieles darin irgendwie irreal, so gar nicht zu unserer heutigen Zeit und Welt zu passen. Als nun kürzlich das Buch meiner geistlichen Lektüre zu Ende ging, wollte ich zuerst "Gaudete und exsultate" noch einmal in Ruhe lesen. Aber dann fiel mir dies Werk wieder in die Hände. "Nachfolge Christi", ist das nicht die wohl beste Definition von Heiligkeit, wenn wir jene Heiligkeit meinen, zu der wir hier und jetzt berufen sind? Aber was heisst Nachfolge Christi? Heisst das, tun was wir und der Zeitgeist gerade darunter verstehen? Oder haben unsere Vorfahren das besser erkannt, wenn sie in ihrem Leben, in ihrem Bemühen um Heiligkeit, immer Gott ins Zentrum rückten? Haben sie vielleicht besser erkannt, dass all unser Tun reine Sisyphusarbeit ist, solange nicht Gottes Wille sondern unser Wille geschehen soll?

Vom Handeln aus dem Glauben ist heute viel die Rede, auch wenn oft nicht mehr ganz klar ist, was man konkret glauben soll und was nicht (mehr). Aber das ist eine andere Frage. Handeln aus der Liebe wäre wohl der bessere Ausdruck, selbst wenn auch das noch der Präzisierung bedarf. Bei Thomas von Kempen ist das klar. Es geht um das Handeln aus der Liebe zu Gott, um das Handeln als Erfüllung des ersten und wichtigsten Gebotes, ohne welche man überall sonst sagen kann; das tun auch die Heiden. Für unsere moderne Zeit wäre es dringend, dass wir umkehren, wieder weg vom eigenen Ich, hin zu Gott, dass wir wieder lernen unsere Selbstverwirklichung in der Verwirklichung des Willens Gottes mit uns zu sehen. "Ja, ich komme, um deinen Willen zu tun." (Hebr 10,9) Das ist der Weg, den der Herr gegangen ist. Das ist auch unser Weg in der Nachfolge Christi, selbst wenn er mit ihm bis aufs Kreuz führen sollte. Er ging ihn aus Liebe zu seinem Vater und zu uns. Auch wir müssen uns bemühen, unseren Weg aus Liebe zu Gott und zu unseren Mitmenschen zu gehen.

Handeln aus der Liebe zu Gott, das ist Nachfolge Christi, das ist «heiligmachendes Tun», um einen Ausdruck unseres Heiligen Vaters zu verwenden.


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