Vernachlässigte Aspekte - Einzeltext
Stefan Fleischer

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Ihr Gott ist der Mensch

  Phil 3,18-20
 
Feinde des Kreuzes Christi

29. März 2017
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Denn viele - von denen ich oft zu euch gesprochen habe, doch jetzt unter Tränen spreche - leben als Feinde des Kreuzes Christi. Ihr Ende ist das Verderben, ihr Gott der Bauch; ihr Ruhm besteht in ihrer Schande; Irdisches haben sie im Sinn. Unsere Heimat aber ist im Himmel. Von dorther erwarten wir auch Jesus Christus, den Herrn, als Retter, der unseren armseligen Leib verwandeln wird in die Gestalt seines verherrlichten Leibes, in der Kraft, mit der er sich alles unterwerfen kann.

„Ihr Gott ist der Bauch“ schreibt Paulus hier. Wenn der Völkerapostel heute leben würde, könnte es dann nicht sein, dass er schriebe: „Ihr Gott ist der Mensch“?

„Der Mensch steht bei uns im Mittelpunkt!“ lautete einst einer der Leitsätze meines damaligen Arbeitgebers. Das war natürlich mehr Imagepflege als Realität. Wenn wir aber heute in die Verkündigung unserer Kirche hinein hören, klingt es dann nicht oft so, als wäre dieser Satz das Leitmotiv? Und wenn wir eine „zeitgemässe“ Liturgie erleben, scheint das dann nicht auch oft so, als drehe sich alles um den Menschen? Natürlich ist das meist ganz unbewusst. Natürlich ist Gott immer noch irgendwie präsent, spielt er immer noch eine wichtige Rolle. Aber ist es wirklich noch jene zentrale Stellung, die ihm gebührt, welche wir ihm zuweisen? Sind wir uns immer noch bewusst, wie sehr wir von ihm abhängig sind, dass er bei all seiner Liebe immer noch unser Herr ist?

Immer mehr denke ich, dass genau das das grosse Problem nicht nur unserer Kirche ist, sondern auch das Problem jedes Einzelnen von uns. Gott ist zwar auf dem Papier immer noch unser Gott. In Tat und Wahrheit aber spielt immer mehr der Mensch, sein irdisches Heil, in unserem Bewusstsein die entscheidende Rolle. Aus einer solchen Sicht aber macht dann auch das Kreuz Christi kaum noch einen Sinn. Und so werden wir immer mehr - ganz unmerklich - zu jenen Feinden des Kreuzes, von denen Paulus hier „unter Tränen“ schreibt. Eine kleine Gewissenserforschung diesbezüglich würde wohl kaum jemandem von uns schaden, wahrscheinlich auch der Kirche als Ganzes nicht.


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