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Gedankensplitter - Einzeltext
Stefan Fleischer

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Der befreiende Trost des Evangeliums

Die frohmachende Botschaft
 
13. Oktober 2019
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Auf seinem Twitter @Pontifex_de schrieb Papst Franziskus am 6. Ok-tober 2019:

«Viele Brüder und Schwestern im Amazonasgebiet tragen schwere Kreuze und warten auf den befreienden Trost des Evangeliums, das liebevolle Streicheln der Kirche. Für sie und mit ihnen gehen wir gemeinsam voran.»

Um diesen Text wirklich zu verstehen müsste man wahrscheinlich die ganze Predigt zur Eröffnung der Amazonas Synode studieren. Und vermutlich nicht nur das. Man müsste ganz in die Mentalität, in die Gedankenwelt unseres Heiligen Vaters eintauchen können. So wie diese zwei Sätze dastehen sind sie geeignet, missverstanden zu werden. Mir auf alle Fälle stellt sich die grosse Frage, was er denn konkret unter dem befreienden Trost des Evangeliums versteht.

Unter Evangelium verstehen wir Christen die frohe, die frohmachende Botschaft unseres Herrn. In meiner Jugend stand dabei immer die Auferstehung Christi im Zentrum, welche seine Erlösertat am Kreuz abschloss und besiegelte. Daraus leitet sich dann die frohe Botschaft unserer eigenen Auferstehung ab, auf welche hin wir durch diese Welt hier und jetzt, durch dieses Tal der Tränen wie wir oft sangen, unterwegs sind. Das ist für mich auch heute noch der Kern des Evangeliums.

Wenn ich aber in die heutige Verkündigung hinein höre, so habe ich oft das Gefühl, als frohe Botschaft Jesu werde die Hoffnung auf eine bessere Welt hier und jetzt verkündet, auf eine Befreiung aus aller Last und allem Leid dieser Zeit. Diese realisiere sich, wenn wir alle auf den Spuren des Herrn durch diese Welt gehen, welcher «an keiner Not vorüber ging», welcher heilte und Dämonen austrieb und von der grenzenlosen Liebe seines und unseres Vaters im Himmel erzählte. Meine Lebenserfahrung sagt mir dann, dass das eine ziemlich unrealistische Hoffnung ist, dass zumindest wir Menschen allein so etwas nie werden verwirklichen können. Dem steht die Schwachheit unserer menschlichen Natur entgegen, welche wir uns mit der Erbsünde eingehandelt haben. Dazu bräuchte es das direkte Eingreifen Gottes in diese Welt, jenes Eingreifen, welches uns erst im Endgericht versprochen ist.

Zwei Wege sind es, auf welchen heute oft versucht wird so etwas zumindest ansatzweise zu erreichen. Der eine ist das Streben nach spirituellen Erfahrungen, sei es im stillen Kämmerlein, sei es in einer grossen Schar Gleichgesinnter. Solche kann Gott uns schenken, wenn dies für uns richtig und gut ist. Das sind jene Taborstunden, welche jeder von uns - der eine mehr, der andere weniger - immer wieder erleben dürfen, aus welchen wir aber auch immer wieder hinabsteigen müssen in den Alltag. Der andere Weg ist das direkte Bemühen, Leid und Not, Ungerechtigkeit und Unterdrückung etc. aus der Welt zu schaffen. Hier können wir einiges erreichen, aber meist nur punktuell und oft wenig nachhaltig. Es ist eine alte Erfahrung, dass ein Problem, das wir lösen, einfach andere, neue schafft. Wir Menschen haben eben weder die Allmacht noch die Allwissenheit Gottes, um dem auszuweichen.

Wir können uns nun an solche Hoffnungen klammern. Wir können aber auch Realisten bleiben und unser Vertrauen ganz auf Gott, auf Christus unseren Erlöser setzen, welcher Sünde und Schuld, Leiden und Tod, am Kreuz bereits besiegt hat, und auch uns diesen Sieg bereithält, sofern wir uns ihm nicht verweigern. Dazu braucht es eigentlich nur das «Dein Wille geschehe» aus jenem Gebet, welches der Herr uns geschenkt hat. Unsere Vorfahren sprachen von Vorsehung und Ergebung in Gottes Willen. Warum versuchen wir es nicht wieder mit einem solchen Glauben?

Sicher, dies entbindet uns nicht von der Verpflichtung - jeder an seinem Platz - all das zu tun, was ihm möglich, wozu er berufen ist. Ja, dies spornt uns an, dies auch gut und richtig zu tun. Es schenkt uns aber eine Gelassenheit überall dort, wo wir aus eigener Kraft nicht mehr oder nicht «schnell genug» weiterkommen. Das fordert dann unser Gebet heraus, ein Gebet in der Haltung des Kindes, das seinem Vater all seine Bitten vorträgt, das sich aber sich immer - und sei es auch nur ganz unbewusst - im Klaren ist, dass der Vater alles besser weiss, dass sein Wille schlussendlich doch das Beste ist, was uns passieren kann, auch wenn wir es heute noch nicht verstehen.

Sing / bet / und geh auf Gottes Wegen
Verricht das Deine nur getreu
Und trau des Himmels reichem Segen
So wird Er bei dir werden neu.
Denn Welcher seine Zuversicht
Auf Gott setzt / den verlässt Er nicht.


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