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Gedankensplitter - Einzeltext
Stefan Fleischer

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Christlich

was heisst das heute?
 
27. Dezember 2019
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Von christlich und christlichen Werten ist eigentlich noch oft die Rede. Wenn man dann aufmerksam zuhört, so fällt schnell einmal auf, dass Christus, oder gar Christus der Herr, wenig bis gar nicht darin vorkommt, von Christus unserem Erlöser ganz zu schweigen. Aber gibt es überhaupt ein Christentum ohne Christus? In unserer modernen Welt scheint dies tatsächlich möglich zu sein. Man nehme ein paar allgemein anerkannte Wert wie Friede, Gerechtigkeit, Menschlichkeit und Nächstenliebe etc., hänge das Ganze an der christlichen Kultur des Abendlandes auf, würze es mit einer tüchtigen Portion Relativismus, und es entsteht eine psychologische, christlich-moralistische Heilmethode gegen den Weltschmerz, gegen das Gefühl der Ohnmacht den eigenen Problemen wie den Problemen der Welt gegenüber. Dann muss man nur noch irgendwie Gott ins Spiel bringen und schon haben wir so etwas wie eine neue christliche Weltreligion.

In der Verkündigung ist heute ist oft von Glauben, von Leben aus dem Glauben die Rede. Wenn man das dann hinterfragt, wenn man wissen möchte, von welchem Glauben da gesprochen wird, dann zeigt sich schnell einmal, dass der Inhalt dieses Glaubens eigentlich gar nicht so wichtig ist, dass jeder mehr oder weniger glauben kann was er will. Ja, es gibt einen Gott. Aber was oder wer das genau ist, das ist nicht so wichtig, das kann man nicht so genau wissen, das muss jeder für sich entscheiden. Die Kirche lehrt einen konkreten Glauben. Andere Religionen lehren etwas anderes. Entscheidend ist, dass jeder seinen Glauben findet und lebt, einen Glauben, der ihm hilft, ein moralisch möglichst guter Mensch zu sein. Wenn Gott ihm dabei hilft, dann ist das schön und gut. Wenn er aber auch ohne Gott ein erfülltes Leben führen kann, dass ist da genauso schön und gut.

Die Kirche hat ein grosses Angebot an schönen, sinnvollen Ritualen etc. welche helfen, mit den Widerwärtigkeiten des Lebens fertig zu werden. Auch hier kann man nicht so genau wissen, ob nun Gott tatsächlich in der Geschichte handelt, oder ob wir dies uns einfach einbilden. Auch das ist nicht so wichtig. Das Wichtigste ist der Effekt. Ob dieser wirklich durch das Medikament oder durch das Plazebo, die Überzeugung, die Einbildung etc. eintritt, was spielt das für eine Rolle?

Wenn aber jemand mit der persönlichen Sünde kommt, oder gar mit Umkehr, Busse, Erlösung und was derart längst veraltete Begriffe mehr sind, dann ist das eigentlich nicht mehr unbedingt christlich. Gott ist doch die Liebe, Gott ist barmherzig, Gott versteht und verzeiht alles - immer vorausgesetzt, dass er sich wirklich konkret um uns Menschen kümmert. Bitte, wenn jemand so etwas braucht um ein gutes Leben zu führen, warum nicht. Aber im Grunde genommen ist es doch so: «Ich bin O.K., du bist O.K» Und wenn wir es nicht so ganz sind, dann bemühen wir uns eben so gut es geht. Alle guten Menschen kommen in den Himmel, sofern es so etwas gibt. Was das genau ist, das können wir nicht wissen. Aber auch das ist nicht so wichtig. Gibt es ihn nicht, dann ist schliesslich einfach alles Ende.

Ob das wirklich noch als christlich bezeichnet werden kann? Auch das kann man heute offensichtlich nicht mehr so genau wissen.


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