Gedankensplitter - Einzeltext
Stefan Fleischer

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Das Kruzifix  

Der Gekreuzigte

1. September 2014

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Es war vor vielen, vielen Jahren. Das Ehepaar, das damals in jener hübschen, kleinen Kirche irgendwo im Aargau geheiratet hat, erfreut sich längst ihrer Grosskinder. Unsere Familie war zu dieser Hochzeit eingeladen. Die Feier war sehr schön und eindrücklich. Vielleicht auch etwas lang. Wie dem auch sei, nach der langen Autofahrt war ich irgendwie müde und gegen Ende nicht mehr so ganz bei der Sache. Dann blieb mein Blick an dem überlebensgrossen Kreuz haften, das zwischen Chor und Schiff von der Decke hing. An ihm war ein ziemlich realistisch gestalteter Korpus, mit deutlich herausgearbeitet Wundmalen, einer Dornenkrone, und der offenen Seitenwunde. Der Kopf war zur Seite geneigt, die Augen geschlossen. Es war der tote Christus am Kreuz. Genau in dem Augenblick, als mir dies bewusst wurde, setzte die Orgel ein mit einem kraftvollen: „Grosser Gott, wir loben Dich!“ Und plötzlich wurde mir bewusst, dass damit dieser tote Christus am Kreuz gemeint war.

Dieses Erlebnis habe ich seither nie vergessen. Immer wieder, wenn ich vor einem realistischen Kruzifix stehe, kommt es mir in den Sinn. Und dann bete und singe ich in meinem Herzen: „Grosser Gott, wir loben Dich; Herr, wir preisen Deine Stärke!“ Mit den Jahren ist daraus das Bewusstsein gewachsen: „Man sieht auch Gott nur mit dem Herzen gut.“




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