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Geistesblitze - Einzeltext
Stefan Fleischer

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Deinen Tod, o Herr

verkünden wir

13. Juli 2019
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Wer hat das nicht schon einmal erlebt: In einem Gottesdienst oder auch im persönlichen Gebet fällt uns plötzlich eine Formel, eine Formulierung auf und dazu die Frage: «Stimmt das überhaupt oder ist es nur eine leere Floskel?» Letzthin, in der sonntäglichen Eucharistiefeier, geschah mir das mit der gemeinsamen Akklamation nach der Heiligen Wandlung: «Deinen Tod, oh Herr, verkünden wir, und Deine Auferstehung preisen wir, bis Du kommst in Herrlichkeit.»

Natürlich denkt man dann sofort zuerst an die Anderen. Wann habe ich zuletzt eine Predigt erlebt, in welcher uns der Tod des Herrn verkündet worden wäre? Das ist schon lange her. Wann haben wir zuletzt die Auferstehung wirklich gepriesen? An Ostern, ja. Aber sonst? Und wenn von Auferstehung die Rede ist, geht es dann nicht meist um die Auferstehung des Menschen und auch dann nicht so sehr um seine Auferstehung am jüngsten Tag, sondern vielfach um eine mehr oder weniger undefinierbare Auferstehung hier und jetzt? Erwartet unsere Kirche tatsächlich noch diese Wiederkunft des Herrn in Herrlichkeit? Das «dies irae dies illa» ist schon längst abgeschafft. Aber was das konkret sein wird, dieser letzte Tag, «darüber wollen wir dich ein andermal hören!» (vgl. Apg 17,32)

Vor über zwanzig Jahren habe ich einmal eine Meditation zum Altarbild unserer damaligen Kirche, einer etwas ungewohnten Kreuzesdarstellung als Mosaik, geschrieben mit dem Titel «Deinen Tod, o Herr, verkünden wir». Das kam mir nun in den Sinn. Nach längerem Suchen fand ich den Text sogar noch auf meinem PC. Das warf dann die Frage auf, wann habe ich selber das letzte Mal den Tod unseres Herrn «verkündet»? Wage ich es überhaupt noch, davon zu sprechen? Wie überzeugt war mein Osterjubel dieses Jahr? Warte ich wirklich auf diese Wiederkunft des Herrn in Herrlichkeit, oder ist das für mich nur ein fernes Ereignis ohne Bezug zum Heute?

Ich glaube, wir dürfen uns ruhig hin und wieder solche Fragen stellen, auch wenn die ehrlichen Antworten darauf oft nicht besonders schmeichelhaft für uns ausfallen. Wir alle sind unvollkommene Menschen, jeder mit seinen Schwächen, seinem Versagen aber auch mit seiner Faulheit und Feigheit. Es sollte dann einfach ein neuer erster Schritt werden in unserem Leben aus dem Glauben.


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