Vernachlässigte Aspekte - Einzeltext
Stefan Fleischer

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Das Reich Gottes

  Lk 4,43
 
"Dein Reich komme"

08. September 2019
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Er sagte zu ihnen: Ich muss auch den anderen Städten das Evangelium vom Reich Gottes verkünden; denn dazu bin ich gesandt worden.

Wenn wir diese Schriftstelle lesen und uns dann hinsetzen, die Bibel zur Hand nehmen, und darin suchen, was für eine Reich Gottes Christus, der Herr zu verkünden gesandt worden sei, so wird es gar nicht so einfach. 65 Stellen habe ich unter dem Suchbegriff «Reich Gottes» in der Einheitsübersetzung gefunden. Diese Liste ist eine spannende Lektüre. Immer wieder tauchen neue Aspekte dieses Reiches auf, Aspekte, welche sich manchmal ergänzen, manchmal aber auch im Gegensatz zueinander zu stehen scheinen. Es wäre eine ganze Doktorarbeit, wollte man sie im Detail analysieren, besonders wenn man dann noch alle Stellen berücksichtigen wollte, die nur vom Reich oder ähnlich sprechen.

Klar scheint mir, dass sich die einseitige Messiaserwartung seiner Zeit, die Wiederherstellung des alten Reiches Israel, damit nicht bestätigt. Genau so wenig lässt sich aber auch ein irdisches Gottesreich, die Weltherrschaft der Kirche zum Beispiel, herauslesen. Auf der anderen Seite jedoch beschränkt sich dieses Reich auch nicht auf das Jenseits und/oder oder auf ein Reich, welches erst am Ende der Zeiten errichtet wird, auf jenen neuen Himmel und jene neue Erde, von welchen Petrus schreibt: «Dann erwarten wir, seiner Verheißung gemäß, einen neuen Himmel und eine neue Erde, in denen die Gerechtigkeit wohnt.» (2.Petr 3,13) und welche in der Offenbarung des Johannes angekündigt wird: «Dann sah ich einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, auch das Meer ist nicht mehr.» (Offb 21,1)

Wenn ich nun unsere Schriftstelle nochmals lese, so fällt mir auf, dass nicht einfach von der Verkündigung des Reiches Gottes die Rede ist, sondern von der Verkündigung des Evangeliums vom Reich Gottes. Christus ist gekommen, uns die frohe Botschaft von diesem Reich zu bringen, vom ganzen, allumfassenden Reich Gottes, mit all seinen Aspekten, in alle seinen Ausdrucksformen und Realisationsstufen. Nur in dieser Sicht lassen sich all die verschiedenen Aussagen der Schrift zu einem Ganzen zusammenfügen. Es ist irgendwie wie mit unserem Glauben. Auch er kann nur in seiner Gesamtheit wirklich verstanden und gelebt werden, (soweit dies für uns Menschen überhaupt möglich ist). Auch unsere Hoffnung auf das Reich Gottes steht nur auf festem Grund, wenn sie sich nicht einfach an irgendwelche Teilaspekte klammert, wenn sie immer katholisch, allumfassend bleibt.

Christus der Herr lehrt uns zu beten: «Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name, dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden.» Auch das ist eine alles umfassende Bitte. Und aus ihr ergibt sich für mich eine Definition, welche sehr tief in dieses Geheimnis eindringt: «Das Reich Gottes ist dort, wo Gottes Wille geschieht!» Wie weit wir, wie weit ich selber in diesem Reich lebe, hängt davon ab, wie ernst ich es mit dieser Bitte meine.

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