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Gedankensplitter - Einzeltext
Stefan Fleischer

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Demut

der Mut zu dienen
03. September 2019
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Braucht Demut Mut oder ist sie Feigheit? Das hängt davon ab, wie man Demut versteht. Kathpedia schreibt: «Demut, (lat. humilitas) ist die Bereitschaft, das Eigene zugunsten der anderen zurückzunehmen. Es entstammt der mittelhochdeutschen Sprache und bedeutet "in der Gesinnung eines Gefolgsmannes/Dieners"». Ich glaube, diese Definition dürfte die beste und umfassendste sein, wenn wir von der christlichen Tugend der Demut sprechen.

Der Christ versteht sich als Gefolgsmann (Jünger) des Herrn, als Diener Gottes. Auch wenn heute dieses Bewusstsein vielerorts verloren zu gehen droht, so ist und bleibt der Christ immer Diener, Diener Gottes zuerst, dann in dessen Auftrag Diener seiner Nächsten, und nicht zuletzt auch Diener seiner selbst. Es ist die Gesinnung dieser «dreifaltigen» Dienerschaft, wenn wir es einmal so nennen dürfen, welche die Demut des Christen ausmacht. Sinn und Ziel dieser Dienerschaft hier auf unserem Weg durch diese Welt aber ist es, schlussendlich würdig und fähig zu werden, das Glück und die Erfüllung dieser Aufgabe in alle Ewigkeit zu geniessen.

Aus dieser Sicht erübrigt sich die Eingangsfrage. Eine solche Haltung ist keineswegs Feigheit. Sie braucht sogar Mut. Sie braucht den Mut für das Wagnis des Dienens. Diesen Mut schöpfen wir aus dem Vertrauen auf Gott, unserem Vater, dem Allmächtigen. Diesen Mut bewahren wir uns in allen Lebenslagen, bis hinein in Versagen, Sünde und Schuld, im Vertrauen auf unseren Herrn und Erlöser Jesus Christus, unserem Bruder. Diesen Mut schenkt uns der Heilige Geist, wenn wir uns ihm anvertrauen, wenn wir in Gehorsam des Dieners nicht immer alles selber und besser wissen wollen.

Wir sind Diener Gottes. Petrus schreibt: «Lasst euch als lebendige Steine zu einem geistigen Haus aufbauen, zu einer heiligen Priesterschaft, um durch Jesus Christus geistige Opfer darzubringen, die Gott gefallen.» (1.Petr 2,5) Sicher, Gott ist nicht auf unsere Opfer und unser Lob angewiesen. Wir selber haben das alles nötig um unsere Bereitschaft, das Eigene zugunsten der anderen zurückzunehmen, zu üben und zu stärken. Wenn wir in aller Bescheidenheit Gottes ganze Grösse und Herrlichkeit betrachten, sollte das uns eigentlich nicht besonders schwer fallen.

Diese Bereitschaft ist dann auch die erste und wichtigste Haltung im Dienst für unsere Nächsten. Erst in dieser Bereitschaft wird all unser Tun und Lassen, unser ganzer Einsatz für unsere Allernächsten bis hin zum Einsatz für eine bessere Welt hier und jetzt, wirklich christlich, wirklich Nachfolge Christi. In dieser Nachfolge merken wir dann auch, dass es nicht nur um das irdische Heil gehen kann, dass das ewige mindestens ebenso wichtig ist, ja, dass die geistlichen Werke der Barmherzigkeit ebenso unabdingbar zu unserem Dienst am Nächsten gehören wie die leiblichen.

Wenn wir dann so das ewige Heil in unsere Sorgen mit einbeziehen, dann lernen wir auch in unserem eigenen Leben das, was wir meinen, es sei unser Bestes, zurückzunehmen zugunsten dessen, was tatsächlich unser Bestes ist. Dann bemühen wir uns «die irdischen Dinge so zu gebrauchen, dass wir die ewigen nicht verlieren». Das aber ist der beste Dienst, den wir uns selbst erweisen können, denn damit bleiben wir auf dem schmalen Weg durch die enge Pforte zur ewigen Heimat, wo das «Dienstverhältnis» zwischen Mensch und Gott und untereinander vollkommen sein wird. Und wenn wir nicht wissen, wie denn das sein könnte, so hat uns Paulus schon längst die Antwort gegeben: «Was für eine törichte Frage!» (1.Kor 15,36)


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