Gedankensplitter - Einzeltext
Stefan Fleischer

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Das fünfte Brot  

Der Dienst am Wort

03. August 2014

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In der Kirche der Benediktiner in Tabgha am Nordufer des Sees Genezareth findet sich das berühmte byzantinische Mosaik, das über 1500 Jahre alt ist, und die Brotvermehrung darstellt, die der Überlieferung nach dort stattgefunden hat. Beim genaueren Hinsehen bemerkt man, dass neben zwei Fischen nur vier Brote dargestellt sind – und nicht fünf, wie in der Erzählung des Evangeliums. Die Erklärung dafür lautet: Das fünfte Brot liegt in jeder Eucharistie auf dem Altar. Unwillkürlich denkt man dabei an die Antwort Jesu an den Versucher: „Der Mensch lebt nicht nur von Brot, sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt.“ (Mt 4,3) Wer aber ist dieses Wort, das aus dem Munde Gottes kommt, wenn nicht Christus, der Herr, der in jedem Heiligen Messopfer in der Gestalt des Brotes auf dem Altar liegt und von uns aufgenommen werden will? Nehmen wir noch die Stelle der Apostelgeschichte dazu, wo Petrus sagt: „ Es ist nicht recht, dass wir das Wort Gottes vernachlässigen und uns dem Dienst an den Tischen widmen“ (Apg 6,2), drängt sich dann nicht die Frage auf, ob das Problem der ersten Christen nicht auch wieder das Problem unserer Zeit ist, ob nicht auch wir heutige Christen uns so sehr dem Dienst an den Tischen widmen, dass der Dienst am Wort Gottes vernachlässigt wird?

Der Dienst am Wort Gottes ist sicher einmal der Dienst der Verkündigung. Aber das Wort Gottes ist mehr als nur die Schrift. Es ist eine Person, es ist Christus der Herr selbst. Deshalb gehört zum Dienst am Wort auch der Dienst des Lobes und der Verherrlichung Gottes, der Dienst des Dankes und der Fürbitte. Und nicht zuletzt gehört der Dienst der Versöhnung dazu, die Aufforderung an alle Menschen: „Lasst euch mit Gott versöhnen!“ (2.Kor 5,20). Die Versöhnung mit Gott ist der einzige Erfolg versprechende Weg der Versöhnung der Menschen untereinander, und damit der einzig Erfolg versprechende Weg zu mehr Frieden und Gerechtigkeit in dieser Welt, zum Kommen des Reiches Gottes, wenn auch nur ansatzweise, schon hier und jetzt.





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