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Gedankensplitter - Einzeltext
Stefan Fleischer

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Glauben Sie tatsächlich, dass Homosexualität eine Sünde ist?

Versuch einer differenzierenden Antwort

17. August 2015

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Diese Frage zeigt meines Erachtens sehr schön den Denkfehler, welcher die ganze Diskussion so sehr belastet. Es werden zwei Dinge vermischt, welche zwar einen Zusammenhang haben, aber bei der Beurteilung der Schuldfrage unbedingt getrennt werden müssen.  Wir sprechen von Homosexualität im Sinn einer Neigung, Veranlagung oder was auch immer. (Die Wissenschaft ist sich hier noch lange nicht einig.) Und wir sprechen vom Umgang mit dieser Realität, von homosexuellen Praktiken. (Neu ist das Problem der Homoehe dazu gekommen.)

Was die homosexuelle Neigung, wenn wir es einmal so nennen wollen, betrifft, so ist meine Meinung, gestützt auch auf persönliche Erfahrungen, dass jeder Mensch, insbesondere der Mann, in seiner Pubertät eine Phase hat, in der er sich zum gleichen Geschlecht hingezogen fühlt. (Ich erinnere mich auch noch gut an die Novelle eines Schweizer Dichters – der Name ist mir entfallen – mit dem Titel „Die Mädchenfeinde“ die wir in unserer Schuldzeit lesen mussten.) Ich bin nicht Psychologe, aber ich könnte mir vorstellen, dass diese Phase im Schöpfungsplan Gottes „eingebaut“ ist um zu verhindern, dass es allzu früh zum Geschlechtsverkehr im eigentlichen Sinn kommt. Diese Phase geht normalerweise relativ rasch vorbei, wie dies auch in der Novelle geschildert wird, wobei ich selber beobachtet habe, dass sie auch ansatzweise mehr oder weniger stark bleiben kann, bis hinein in die Ehe. Ich schliesse daraus, dass diese Neigung an sich ganz normal, in der Natur vorkommend, ich würde fast sagen „natürlich“ ist, wenn man diesen Begriff nicht immer wieder dazu verwenden würde, daraus ein Recht abzuleiten, diese auch auszuleben.

Damit sind wir bei der Frage, ob das Ausleben einer solchen Neigung gottgewollt ist, oder seinem Plan widerspricht, das heisst bei der Frage der Sünde. Hier müssen wir wiederum zwei Dinge unterscheiden, den Tatbestand und die Schuld. Um es gleich vorweg zu nehmen, die Frage nach der Schuld können wir, gerade in dieser äusserst komplexen Realität, in der nicht nur die Veranlagung, sondern auch die Erziehung, das Umfeld, die Verführung bis hin zum mehr oder weniger offenen Zwang, und nicht zuletzt der Druck der öffentlichen Meinung eine Rolle spielen, im Einzelfall niemals absolut gerecht beurteilen. Hier bleibt uns nichts anderes als mit Papst Franziskus zu sagen: „Wer bin, dass ich Dich verurteilen dürfte?“ Sagen allerdings dürfen wir auch, so wie Christus zur Ehebrecherin, die er ja auch nicht verurteilte: „Geh und sündige von jetzt an nicht mehr.“

Dass es beim Tatbestand des homosexuellen Geschlechtsverkehrs, genauso wie bei jedem anderen Geschlechtsverkehr ausserhalb der Ehe (was meines Erachtens unsere Kirchen zu verkünden sträflich vernachlässigt haben und vernachlässigen, und was dann schlussendlich zu unserer versexualisierten Welt geführt hat) um etwas handelt, was der göttlichen Schöpfungsordnung widerspricht und somit – immer rein vom Tatbestand her – als Sünde bezeichnet werden muss, davon bin ich überzeugt. Der tiefe Sinn und Zweck der Sexualität im Plan Gottes ist die Weitergabe des Lebens, die Arterhaltung, zu der natürlich dann auch die „Brutpflege“, die Erziehung gehört. Alles, was direkt oder indirekt diesem Zweck dient (und darunter fällt natürlich auch die sexuelle Lust, die verhindert, dass der Mensch in seinem Egozentrismus sich seinen diesbezüglichen Pflichten gegenüber der Gesellschaft entzieht einerseits und die Familie als Ort, wo der Mensch sich entwickelt und lernen soll, sich in dieser bipolar geschaffenen Welt zurecht zu finden), ist in gottgewollt. Alles aber, was diesem Plan Gottes widerspricht, was ihn stört oder gar zerstört, gehört zu jener Neigung, die wir von unseren Stammeltern ererbt haben, sein zu wollen wie Gott, selber wissen, selber entscheiden zu können, was richtig und falsch, was gut und was böse ist, (und von der wohl niemand behauptet wird, er hätte ein Recht dazu).

Eigentlich müsste man hier noch jene Fälle erörtern, in denen der Mensch aus welchen Gründen auch immer nicht in der Lage ist, direkt an dieser Aufgabe der Weitergabe des Lebens teilzunehmen, oder wo er von Gott zu einem freiwilligen Verzicht auf die leibliche Elternschaft gerufen ist. Das würde aber hier zu weit führen.

Wie gesagt. Die ganze Härte dieser Aussage trifft den Tatbestand an sich. Ein Urteil aber über Menschen zu fällen, fällt gerade in diesem Bereich eindeutig nur Gott zu. Gott urteilt nicht nach menschlichen Massstäben. Deshalb sind seine Urteile immer gerecht und barmherzig zugleich. Von uns aber erwartet er jene bereits erwähnte Haltung unseres Herrn, nicht zu verurteilen, ohne dabei eine Sünde nicht eine Sünde zu nennen.



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