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Gedankensplitter - Einzeltext
Stefan Fleischer

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Die drei Tische

des Wortes, des Opfers und des Mahles
 
31. März 2021

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Im Rahmen einer Diskussion um den Mahlcharakter der Heiligen Eucharistie wurde mir plötzlich bewusst, dass nach dem Konzil oft und gerne von den zwei Tischen die Rede war, dem Tisch des Wortes und dem Tisch des Brotes. Da fragte ich mich, ob wir nicht besser von drei Tischen sprechen sollten, ob zwischen dem Tisch des Wortes, der Lesungen und der Verkündigung, und dem Tisch des Brotes, des Mahles, ein zentraler, dritter steht, der Tisch des Opfers, der Altar in eigentlichen Sinn des Wortes.

«So bringen wir dir mit Lob und Dank dieses heilige und lebendige Opfer dar.» beten wir im dritten Hochgebet. Nun kann natürlich eingewandt werden, dass der alte Bund mit all seinen Opfern vom neuen Bund in Christus, unserem Herrn, abgelöst sei. Ja, der alte Bund mit seinen Tieropfern ist vergangen. Doch der neue wurde wiederum mit Blut besiegelt, mit dem Blut des Kreuzesopfers unseres Herrn. Man kann auch einwenden, dass Gott unsere Opfer nicht nötig habe. Er hätte auch das Opfer seines Sohnes nicht nötig gehabt. Aber ist es damit nicht wie mit dem Lob Gottes, von dem wir beten: «Du bedarfst nicht unseres Lobes. Uns aber bringt es Segen und Heil?» Man könnte noch vieles dazu sagen. Die Kirche lehrt, dass dieser Jesus von Nazareth nicht einfach ein grossartiger jüdischer Wanderprediger und Wundertäter war, sondern in Tat und Wahrheit der Sohn Gottes, der für uns Menschen und um unseres ewigen Heiles willen - das heisst um sein Volks aus seinen Sünden zu erlösen (Mt 1,21) - Mensch geworden ist  und sich aus freiem Willen dem Leiden, dem Tod am Kreuz unterwarf.

Genau diese Erlösungstat und ihre Vollendung in der Auferstehung unseres Herrn feiern wir in jeder Heiligen Eucharistie. Und mehr noch, dieses Opfer, das der Sohn dem Vater ein für allemal wegen unserer Sünden dargebracht hat, vergegenwärtigt sich für uns, wenn der Priester die Wandlungsworte spricht und Gott dem allmächtigen Vater dieses heilige und lebendige Opfer darbringt, und wenn dann das Volk auf die Aufforderung des Priesters hin betet: «Der Herr nehme das Opfer an aus deiner Hand, zum Lob und Ruhm seines Namens, zum Segen für uns und seine ganze heilige Kirche.»

Zentrum und Höhepunkt des christlichen Lebens ist die Heilige Eucharistie. Zentrum der Eucharistie aber ist weder das Wort noch das Mahl, sondern die Vergegenwärtigung jenes Opfers, das uns wieder mit Gott versöhnt hat. Das Wort will uns zu diesem Heiligen Geschehen hinführen und uns die Konsequenzen daraus für unser Leben aus dem Glauben darlegen und erläutern. Das Heilige Brot, das wir anschliessend empfangen, ist dann in Tat und Wahrheit der für uns geopferte Leib, das für uns vergossene Blut unseres Herrn und Erlösers, das der Vater uns in unseren verwandelten Opfergaben als heiliges Opfermahl zurück gibt. Aus ihm schöpfen wir die Kraft für eine möglichst tiefe, persönliche und alltagstaugliche Beziehung zu Gott. Es ist das Lebensbrot für unsere Jüngerschaft, weil eine solche nicht zuletzt auch heisst: «Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme täglich sein Kreuz auf sich und folge mir nach.» (Lk 9,23)

Es ist auch hier wie überall in unserm Glauben. Er erschliesst sich erst dann und nur so weit, als wir uns bemühen, uns nicht an einen einzelnen Aspekt festzuklammern, sondern immer besser das Ganze in all seinen Aspekten und Facetten zu sehen und zu verstehen. Komm, Heiliger Geist!


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