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Geistesblitze - Einzeltext
Stefan Fleischer

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Die Drohbotschaft

Realität oder Ausrede?

05. September 2020
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Über dieses Thema könnte man lange diskutieren. Auch ich war in einem katholischen Internat. Ich hatte aber nie den Eindruck, man hätte uns eine Drohbotschaft verkündet. Selbstverständlich wurde uns unmissverständlich gesagt, dass Gott kein zahnloser Papiertiger sei, dem man ruhig auf der Nase herumtanzen könnte. Man sprach oft von seiner absoluten Gerechtigkeit, wobei diese immer auch beinhaltete, dass auch wir mit dem Psalmisten zu ihm rufen durften: «Verschaff mir Recht, o Gott, / und führe meine Sache gegen ein treuloses Volk!» (Ps 43,1) Voraussetzung war, dass auch wir ihm gestatteten unseren Feinden Recht zu verschaffen uns gegenüber, wo wir uns an ihnen verfehlt hatten.

Ich habe es aber auch erlebt, dass der eine oder andere Mitschüler später an unseren Ehemaligentreffen seine aktuelle Gleichgültigkeit Gott und der Kirche gegenüber mit dem Schlagwort der Drohbotschaft zu rechtfertigen suchte. Und wenn ich ehrlich bin muss ich gestehen, dass auch ich nicht immer vor dieser Versuchung gefeit war. Ich danke Gott, dass ich dann immer vernünftige Beichtväter gefunden habe, welche mir «auf den Zahn gefühlt» und mich auf den Boden der Wirklichkeit zurückgeholt haben. Heute bin ich überzeugt, Gottes Liebe und Barmherzigkeit sind grenzenlos, solange wir ihnen nicht selbst Grenzen setzen, solange wir sie nicht zurückweisen oder gar missbrauchen. Diese Gefahr ist bei der heutigen einseitigen Betonung der Liebe Gottes nicht ganz von der Hand zu weisen.

Soweit meine persönliche Sicht der Dinge.


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