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Gedankensplitter - Einzeltext
Stefan Fleischer

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Apropos drohen

ein offener Brief an viele

21. Dezember 2016

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Sehr geehrter Herr K

Erlauben Sie mir, die Antwort, welche ich Ihnen bereits persönlich gesandt habe, hier als offener Brief an viele zu veröffentlichen, welche in der gleichen Situation sind wie Sie. Ich habe mich bemüht diese so zu bereinigen, dass niemand Rückschlüsse daraus auf Ihr Person ziehen kann.

Wenn ich Sie richtig verstehen, dann haben Sie schlechte Erfahrungen mit einem Priester, welcher die Stelle bei Paulus „wer unwürdig isst und trinkt …“ (1 Kor 11,29) als Drohung gegen Kinder eingesetzt hat. Ich selber bin etwa gleich alt wie Sie und habe solches nie erlebt. Natürlich hat man auch uns klar und unmissverständlich darauf hingewiesen, dass es vor jeder Heiligen Kommunion einer Gewissenserforschung bedarf. Wer zu diesem Sakrament hinzutrete und sich im Zustand einer schweren Sünde befinde, erfülle den Tatbestand, dass er den Leib des Herrn nicht von anderer Speise unterscheide, weil er es schwer an der nötigen Liebe und Ehrfurcht gegenüber Gott und seiner ganzen Grösse und Liebe fehlen lasse. Der Verweis auf das Gleichnis vom Hochzeitsmahl und dem Gast ohne hochzeitliches Gewand (Mt 22,11 ff), was damals einer schweren Beleidigung des Gastgebers gleichkam, durfte dabei natürlich nicht fehlen. Andererseits aber wurde uns auch immer sehr deutlich gesagt, dass wir uns vor Skrupeln zu hüten hätten. Die Bedingungen, damit eine Tat eine schwere Sünde wird, mussten wir damals noch auswendig lernen: „Damit eine Tat eine Todsünde ist, müssen gleichzeitig drei Bedingungen erfüllt sein: „Eine Todsünde ist jene Sünde, die eine schwerwiegende Materie zum Gegenstand hat und die dazu mit vollem Bewusstsein und bedachter Zustimmung begangen wird". Ich erinnere mich noch gut, wie ein Redemptoristenpater, der oft in unserer Pfarrei war, uns sagte, dass es gerade bei uns Kinder in den meisten Fällen am vollen Bewusstsein und der bedachten Zustimmung fehle. Wir dürften zwar uns nicht einfach leichtfertig entschuldigen, denn Gott wüsste alles und eine Beichte zu viel könne sicher nicht schaden. Aber gerade weil Gott alles wüsste, so wüsste er auch, dass wir es meist nicht wirklich böse gemeint hätten. Gott verlange von uns nichts Unmögliches und eigentlich nur, dass wir uns immer bemühen, ihn zu lieben. Wahrscheinlich hatte ich – wenn ich die Klagen so vieler Christen heute über den Religionsunterricht von damals höre – grosses Glück. Heute ist es – Gott sei Dank - anders. Dass man dabei vom einen Extrem ins andere gefallen ist, und den ganzen Ernst der Sünde, insbesondere der Todsünde, nicht mehr zu verkünden wagt, ist ein anderes Thema. Man sieht, das „Bodenpersonal Gottes“ ist alles andere als vollkommen, damals genauso wie heute, und meist auch nicht besser, aber auch nicht so viel schlechter, als wir selber. Eine Sünde aber, vor der wir alle uns eigentlich ganz besonders hüten müssten, weil der Herr selbst diesbezüglich eine ganz klare „Drohung“ ausgesprochen hat, ist es, andere zu verurteilen. „Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet!“ (Mt 7,1)

In der Liebe unseres Herrn und Erlösers verbunden
Stefan Fleischer


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