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Gedankensplitter - Einzeltext
Stefan Fleischer

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Dualismus und Drohbotschaft

 Giftköder Satans?
02. August 2018
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"Einen Leib-Seele-Dualismus gibt es nicht!" schleuderte mir jüngst jemand entgegen, als ich von der Sorge um das ewige Heil der unsterblichen Seelen sprach. Ich bin weder Philosoph noch Theologe, sodass ich eigentlich in dieser Frage nicht mitreden sollte. Doch in meiner Jugendzeit war die Rede von der unsterblichen Seele noch gang und gäbe, und auch die einfachen Gläubigen wussten, was damit gemeint war, auch wenn sie es wohl kaum theologisch korrekt hätten ausdrücken können. An einen Dualismus, in welchem die zumindest theoretische Möglichkeit bestünde, dass der Leib in der Hölle, die Seele aber im Himmel landen würde oder umgekehrt, daran glaubte kein Mensch.

Die Gläubigen wussten aus Erfahrung, dass der menschliche Körper nach seinem Tod zerfällt und in den Kreislauf der Natur zurück kehrt. "Gedenke Mensch, dass du aus Staub bist und wieder zum Staub zurück kehrst" wurde den Gläubigen mindestens einmal im Jahr, am Aschermittwoch, in Erinnerung gerufen. Andererseits lehrte die Kirche klar und unmissverständlich die Auferstehung der Toten. Diese war am Jüngsten Tag angesiedelt, beim Endgericht. Wie das sein werde, da gab es verschiedene Spekulationen. Doch die allermeisten Prediger und Erzieher verwiesen bei dieser Fragestellung schlicht auf Paulus: " Was für eine törichte Frage!" (vgl. 1.Kor 15,36 ff) Andererseits war da ein Glaube, eine Gewissheit vorhanden, dass es etwas im Menschen gibt, dass diesen leiblichen Tod überdauert. Darauf baute dann zum Beispiel auch unsere Verehrung der Heiligen, von denen wir sicher glaubten, dass sie leben. Logisch war dann, dass sich diese "Seele" bei er Auferstehung wieder mit dem dann verklärten Leib vereinigen wird. Das war unser Glaube. Von Dualismus sprach niemand, wohl aber von einem grossen Geheimnis, in welchem sich die Gottähnlichkeit des Menschen kristallisiert. Nun frage ich mich, ob nicht Satan den Begriff des Leib-Seele-Dualismus in die Welt gesetzt hat, um den Gläubigen Zweifel an der Vernünftigkeit der Lehre der Kirche einzuhauchen.

Ähnliches lässt sich auch beim Begriff der Drohbotschaft sagen. Gott war der gerechte Richter der Lebenden und der Toten. Bei ihm gab es keine faulen Ausreden. Er war aber genauso barmherzig für alle, welche ihn fürchteten, das heisst, welche ihn als ihren Herrn und Gott anerkannten, sich ehrlich bemühten seinen Willen zu tun und sich immer und immer wieder mit ihm versöhnen liessen in der Heiligen Beichte. Dazu liesse sich noch viel sagen. Auch hier, wir glaubten, dass dem so ist, auch wenn wir ehrlicherweise sagen mussten, dass wir nicht genau wussten, wie das konkret sein könnte. Um diesen einfachen, aber konkreten Glauben zu zerstören, dazu scheint mir, hat Satan den Begriff der Drohbotschaft in die Welt gesetzt. Und damit trifft er zwei Fliegen auf einen Streich. Die einen hindert er damit, sich in ihrer Schuld vertrauensvoll an Gott zu wenden, andere verleitet er dazu, den ganzen Ernst der Sünde zu verniedlichen oder gar zu leugnen.

Satan, der Lügner von Anbeginn, bedient sich heute mehr denn je an sich richtiger, aber unvollständiger, zu wenig differenzierender, oder im Kontext falscher Aussagen, um die Menschen zu verwirren und von einem Glauben abzuhalten, welcher das unergründliche Geheimnis Gottes nicht zerredet, sondern eine persönliche, kindlich-liebende Beziehung zu Gott erlaubt.



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