Gedankensplitter - Einzeltext
Stefan Fleischer

Alle Texte sind im Menu links aufrufbar

Die Ehebibel  

Notvorrat für die Ehe

27. Februar 2015

Aphorismen
Gedanken-
splitter

Gedanken-
splitter Archiv

vernachlässigte Aspekte
vernachlässigte Aspekte Archiv
Weihnachts-
geschichten

Spruch der
Woche






Kürzlich hatte ich wieder einmal Besuch von zwei netten, freundlichen, jungen Menschen, die für irgendeine Freikirche missionierten. Als Einstieg wollten sie von mir wissen, ob ich eine Bibel hätte. Und als ich sagte, ich hätte sogar mehrere, wollten sie wissen welche. Meine Einheitsübersetzung lag griffbereit neben dem Sofa. Die anderen stehen im Schrank. Als ich nachschaute, welche das seien, da hielt ich plötzlich eine in den Händen, die ich – ich erinnerte mich sofort – einmal auf einen Flohmarkt gekauft hatte. Auf der ersten Seite stand, in einer jener schönen Handschriften, die man heute nur noch selten findet:

„Den Eheleuten Ercole P. und Martha S, zum Andenken an den Tag ihrer Trauung in der Kirche von S. und zum gesegneten Gebrauch, überreicht von der Kirchgemeinde. 23. März 1953.“  Und dann darunter: “Einer trage des anderen Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.  Gal. 6,2“

Was aus diesem Ehepaar geworden ist, weiss ich natürlich nicht. Sehr abgenützt war diese Bibel aber nicht. Und doch. Wenn Ercole und Martha auch nur immer wieder einmal diese erste Seite aufgeschlagen und sich ehrlich bemüht haben, dieses Lebensmotte neu zu überdenken, dann, dessen bin ich sicher, ist eine wahrhaft glückliche Ehe daraus geworden, welches auch immer ihr Schicksal war.

Eine Ehebibel war früher eine weit verbreitete Tradition. Wenn ich mir das heute im Kontext der Diskussionen der Bischofssynode überlege, wäre es nicht ein starkes Zeichen für unsere Zeit, wenn diese Synode den eindringlichen Wunsch äussern würde, diese Tradition wieder aufleben zu lassen? Eine Bibel gehört doch sozusagen zum Notvorrat jeder christlichen Ehe und Familie, zusammen mit einem Kreuz, in einer katholischen Familie ergänzt mit einer Madonna und dem Weihwassergefäss. So vieles ist heute dem Rationalismus zum Opfer gefallen. Aber das Leben, das Leben aus dem Glauben und ganz besonders eine christliche Familie wird auf einer rein rationellen Ebene nie gelingen.

Übrigens, wenn junge Leute wissen wollen, ob sie zusammen passen, ob ihre Beziehung eine tragfähige Basis hat, dann wäre es sehr nützlich, diesen Notvorratstest zu machen. Was beschaffen wir als wichtigstes für unsere Ehe? Sind es die Bibel und das Kreuz oder ist es die Hausratsversicherung? Vielleicht würden dann viele Ehen nicht zustande kommen, aber viele würden viel glücklicher werden, auch schon hier und jetzt und in allen Leiden und Prüfungen dieses Lebens.



********


Home
weitere Texte
Archiv
nach oben