Vernachlässigte Aspekte - Einzeltext
Stefan Fleischer

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Hier geht es nicht um …

Joh 17,24
 
Wider eine einengende Verkündigung

 19. Juni 2016
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Vater, ich will, dass alle, die du mir gegeben hast, dort bei mir sind, wo ich bin. Sie sollen meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast, weil du mich schon geliebt hast vor der Erschaffung der Welt.

„Hier geht es nicht um örtliche Beschreibungen, sondern gemeint ist ….“ So lautete der zweite Satz des Kommentars eines Bibelkalenders zu dieser Stelle. Immer wieder hören oder lesen wir solche und ähnliche Aussagen, wenn es um Schriftstellen geht, welche nicht leicht zu verstehen sind, oder gar anstossen könnten. Selbstverständlich ist es manchmal angebracht auf Fehlinterpretationen hinzuweisen. Aber meist wäre dies gar nicht nötig. Oft nämlich kann eine andere Auslegung aus einem anderen Blickwinkel genau so richtig und mit der Lehre der Kirche vereinbar sein. Und bei genauerem Hinsehen ergänzen sich dann beide zu einem neuen, umfassenderen Verständnis der Schrift und öffnen unseren Blick für jene weit grössere Wirklichkeit, welche sich uns nur mit den Augen des Glaubens erschliesst, den Blick für das ewige Reich Gottes.

Auf der anderen Seite können solche „nicht“ auch sehr kontraproduktiv wirken. Sie verleiten gerne dazu, alles und jedes, was geschrieben steht, zu hinterfragen, wenn man es (noch) nicht versteht, statt es einfach einmal so stehen zu lassen wie es ist. Das wiederum bewirkt, dass man sich verschliesst, wenn uns plötzlich – vielleicht später einmal – diese Stelle oder diese Auslegung eine Antwort gibt in unsere aktuelle Situation hinein. Denn: „Alles, was einst geschrieben worden ist, ist zu unserer Belehrung geschrieben“ (Röm 15,4), manchmal für heute, hier und jetzt, manchmal aber auch für später, in eine andere Situation hinein, oder auch für einen anderen Menschen und seine aktuellen Bedürfnisse. Gott ist immer grösser. Wir sollten ihn nie auf unsere heute Sicht einengen, auch nicht mit all diesen „Er ist nicht“, die wir so gerne brauchen.

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