Vernachlässigte Aspekte - Einzeltext
Stefan Fleischer

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Seid eines Sinnes 

2.Kor 13,11

Eine zeitlose Ermahnung
 

16. Juni 2015
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Im Übrigen, liebe Brüder, freut euch, kehrt zur Ordnung zurück, lasst euch ermahnen, seid eines Sinnes und lebt in Frieden! Dann wird der Gott der Liebe und des Friedens mit euch sein.

Eines Sinnes sein, was heisst das eigentlich? Schon in den Anfängen der Kirche wurde heftig diskutiert und gestritten. Schon damals musste Paulus vor Spaltungen warnen (z.B. 1 Kor 1,10 ff) Das hat sich bis heute nicht wesentlich gebessert. Die Stelle hier bringt zwei Aspekte ins Spiel, die leider allzu oft vernachlässigt werden, aber entscheidend sind, die Freude und die Ordnung.

Die Freude, um die es Paulus hier geht, ist die Freude am Glauben. Der Glaube aber ist die Grundlage jeder christlichen Gemeinschaft. Deshalb ist die Freude am Glauben das stärkste Band unserer Einheit. Sie überwindet die Differenzen unter uns, sie verhindert Misstrauen und Verdächtigungen. Sie baut die Brücken zwischen den verschieden Blickwinkeln und Akzentsetzungen. Sie ist es, die nach dem ganzen, vollen Glauben strebt. Sie ist jener kluge Hausherr, der aus seinem reichen Vorrat Neues und Altes hervorholt. (Mt 13,52)

Die Freude am Glauben aber ist auf die Ordnung angewiesen. Unordnung ist der Spaltpilz jeder Gemeinschaft. Sie schafft Unsicherheit und Misstrauen. Sie führt zu Auseinandersetzungen und Streit, nicht im aufbauenden sondern im zerstörerischen Sinn. Ordnung dagegen schafft den Rahmen, in dem die unterschiedlichsten Menschen in Friede zusammenleben können. Ordnung schafft Klarheit und Ruhe, besonders im Glauben. So komisch es auch klingen mag, Ordnung ist der Garant der Freiheit jedes Einzelnen. Sie gibt jedem Einzelnen den Spielraum, den er braucht, gerade im Glauben. Sie erlaubt ihm seine ganz persönliche Gottesbeziehung zu leben, seine eigenen Schwerpunkte zu setzen, kurz seine persönliche Spiritualität zu pflegen, ohne den Anderen zu verunsichern oder gar zu verletzen. Und Ordnung gibt auch immer wieder die Sicherheit, nicht vom Weg abzuirren, das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren.

Ordnung und Unterordnung gehören zusammen. Ohne Unterordnung unter die Gemeinschaft und ihre Ordnung macht sich der Egoismus breit, die Besserwisserei und die Tendenz, dem Anderen seine Meinung aufzudrängen, wenn nicht gar aufzuzwingen. Deshalb hat Gott die Hierarchie eingesetzt. Die Freude am Glauben hilft uns, diese zu akzeptieren, uns unter zu ornden, ja sogar uns an ihr zu freuen und Gott dafür zu danken. So unvollkommen sie auch oft sein mag. Sie ist und bleibt die beste Stütze und der beste Schutz unseres freien Glaubens und damit auch die Stütze und der Schutz unserer Freude am Glauben, unserer Freude in Gott. Sie lehrt uns zu erkennen, wie unser Gott der Liebe und des Friedens mit uns sein will und mit uns ist.


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