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Gedankensplitter - Einzeltext
Stefan Fleischer

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Ent - täuscht

von der Kirche
 

25. Augus 2020


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Es gibt Menschen, die sind enttäuscht von der Kirche, weil sie nicht mehr die gleiche ist, wie vor 50 oder 100 Jahren. Es gibt andere, die sind enttäuscht, weil sie immer noch nicht so weit eine andere geworden ist, wie sie sich das wünschen. Und es gibt eine sehr grosse (schweigende) Zahl jener, welche enttäuscht sind, dass die Kirche scheinbar nicht mehr zu wissen scheint, was nun gilt und was nicht mehr, was für eine Kirche sie sein will, welche Lehre, welchen Gott sie verkünden soll.

Ent-täuschungen kommen von Täuschungen, sei es, dass wir uns selbst getäuscht haben, sei es, dass wir getäuscht wurden. Selbsttäuschungen haben ihren Grund meist im Wunsch- oder auch Angstdenken, oder auch in einem Missverständniss dessen, was andere sagen und/oder gesagt/getan haben. Im letzteren Fall finden wir die Schuldigen gerne beim Gegenüber, glauben wir, dass wir getäuscht wurden. Es kann aber auch vorkommen, dass tatsächlich andere uns täuschen (oder auch, dass wir andere täuschen). Das kann aus Fahrlässigkeit geschehen, weil man nicht überlegt, ob das, was man meint oder glaubt auch richtig beim anderen ankommt. Das kann auch aus einem Irrtum heraus geschehen, weil man sich nicht sorgfältig genug mit den Fakten beschäftigt hat. Das kann aber auch ganz bewusst geschehen. Werbung z.B. gehört zu den noch eher harmlosen Beispielen aus diesem Bereich. Typisch sind hier Halbwahrheiten, Übertreibungen und Verharmlosungen, bis hin zu effektiven Falschaussagen. Die perfidesten Täuschungen aber sind jene Aussagen, welche zwar auch richtig verstanden werden können, aber so formuliert sind, dass sie vom Adressaten falsch verstanden werden können oder gar müssen. Solche erlauben es dann, falls man mit der falschen Auslegung konfrontiert wird, einfach zu sagen: «Das habe ich nicht so gesagt, das war nicht so gemeint.»

Das alles ist sehr menschlich, allzu menschlich. Es beruht auf der menschlichen Begrenztheit einerseits und auf der Neigung zu Bösen andererseits, welche wir aus dem Sündenfall der Stammeltern «geerbt» haben. Gegen das alles haben wir hier und jetzt zu kämpfen, in uns selbst zuerst, und dann im Umgang mit unseren Nächsten. Die Schrift hat dagegen keine Patentrezepte. Der Herr selbst aber hat uns eine wichtige Grundhaltung empfohlen: «Seid daher klug wie die Schlangen und arglos wie die Tauben!» (Mt 10,16)

Diese Grundhaltung können wir uns aneignen, wenn wir die andere Aussage Christi dazu nehmen: «Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater ausser durch mich.» (Joh 14,6) Hier liegt die Aufgabe der Kirche in diesem Bereich. Sie hat die Sendung, diesen Weg, diese Wahrheit und dieses Leben, das heisst Christus den Herrn, zu verkünden, ob man es hören will oder nicht. (2.Tim 4,2) Sie hat den Auftrag die Brüder zu stärken. (Lk 22,32) Ihr hat Paulus ins Stammbuch geschrieben: «Weise zurecht, tadle, ermahne, in unermüdlicher und geduldiger Belehrung.» (Röm 15,4) Deshalb ist es so traurig, wenn sie heute so oft als hoffnungslos zerstritten wahrgenommen wird, wenn viele Menschen sich deswegen von ihr und vom Glauben abwenden.

Diese Situation lässt sich nicht (mehr) so schnell ändern. Umso wichtiger ist es, dass wir uns selbst zuerst und dann allen anderen Gläubigen wieder bewusst machen: «Gott hat immer noch das Heft in der Hand!» und auch «An Gottes Segen ist alles gelegen!» Christus ist bei seiner Kirche, auch wenn er zur Zeit im Boot zu schlafen scheint. «Die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen.» Wichtig ist, dass wir ihn wieder neu immer und überall ins Zentrum rücken. Dann können wir unseren Weg gehen, wie es im alten Kirchenlied (Wer nur den lieben Gott lässt walten) heisst:

Sing / bet / und geh auf Gottes Wegen
Verricht das Deine nur getreu
Und trau des Himmels reichem Segen
So wird Er bei dir werden neu.
Denn welcher seine Zuversicht
Auf Gott setzt / den verlässt Er nicht.
  

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