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Gedankensplitter - Einzeltext
Stefan Fleischer

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Das Paradies und die Erbsünde

Aus einer Email-Diskussion mit einem Priester
07. März 2017

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In diesem Fall musst Du mich entschuldigen. In meinen Ohren klangen Deine Predigt wie auch Deine Erklärungen dazu so, also ob das Paradies keine geoffenbarte Wahrheit sei, sondern der Erklärungsversuchs des Volkes Israels nach seinem Einzug in das „gelobte Land“, welches sich dann nicht als jenes erwartete Paradies erwies, sondern als ein Land, in welchem neben „Milch und Honig“ auch weiterhin Tränen flossen, und der Mensch weiterhin nur Mensch war, mit all seinem Versagen in der Versuchung. Da wurden dann der Wunschtraum zur „Realität“, und eine „Erbsünde“ konstruiert, welche diesem Traum ein Ende setze. Wie gesagt, in diesem Sinn habe ich Dich verstanden.

Das Missverständnis rührt wohl daher, dass ich vor nicht allzu zu langer Zeit in eine Diskussion über das Problem der Erbschuld verwickelt war. Dort wurde diese schlicht geleugnet, worauf dann logischerweise auch das Paradies den „Sagen und Märchen“ zugeordnet wurde. Im KKK fiel mir dann auf, dass dieser Problematik ein ganzer Absatz (Art. 385 – 421) gewidmet ist und dass dort diese Erbsünde im Zwischentitel vor Art. 388 als eine wesentliche Glaubenswahrheit bezeichnet wird. Von dieser Glaubenswahrheit her muss also – immer nach meiner Meinung – die schön ausgeschmückte Geschichte vom Paradies verstanden werden, vielleicht irgendwie so, wie die ganze Beschreibung des Schöpfungsablaufes in der Bibel von der Glaubenswahrheit her gesehen und gewertet werden muss, dass es einen personalen und vernünftiger Gott gibt, welcher das ganze Universum, „alle sichtbaren und unsichtbaren Dinge“, geschaffen hat.

Bei meiner Suche damals ist mir auch aufgefallen, dass es im grossen Glaubensbekenntnis (welches früher jeden Sonntag in der Heiligen Messe gebetet wurde) heisst: „Wir bekennen die eine Taufe zur Vergebung der Sünden.“ Auch diese Aussage ist für mich absolut unverständlich ohne Bezug auf die Erbschuld, genauso wie Leiden, Tod und Auferstehung unseres Herrn ohne diesen Bezug irgendwie in der Luft hängen. Wenn man also diese wesentliche Glaubenswahrheit ausklammert, rüttelt man sozusagen an der Statik unseres ganzen, umfassenden Glaubens. Bis zur Leugnung der Wahrheit, dass Christus „für uns Menschen und um unseres (ewigen) Heiles willen Mensch geworden ist“, ist dann nur noch ein kleiner Schritt. Und dann landen wir im Heilsautomatismus.

Nicht umsonst sagte Papst Franziskus den Kardinälen nach seiner Wahl: „Wenn wir nicht mit dem Kreuz Christi zu den Menschen kommen, sind wir keine Jünger des Herrn.“ Nur schade, dass er sich selber so wenig an sein eigenes Wort erinnert. Nichts gegen die Befreiungstheologie. Aber wenn diese nicht auf dem Fundament der Erlösungstheologie steht, riskiert sie zur Weltverbesserungsideologie zu verkommen. (Was natürlich wiederum meine persönliche Meinung ist.)

Unsere Diskussion rührt also daher, dass sich für mich das Paradies nicht von der Erbsünde trennen lässt. Andernfalls laufen wir – immer nach meiner Meinung - Gefahr das Kind mit dem Bade auszuschütten und die grundlegende Frage nach dem Bösen in der Welt ausser Acht zu lassen.

In der Liebe unseres Herrn und Erlösers Jesus Christus verbunden


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