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Gedankensplitter - Einzeltext
Stefan Fleischer

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Befreiungstheologie  - Erlösungstheologie

Gegensatz oder Ergänzung?
15. April 2017

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In einer Diskussion rund um die Befreiungstheologie sagte plötzlich einer: „Das ist doch ganz einfach: Die Befreiungstheologie will dem Menschen auf seinem Weg durchs Leben helfen, die Erlösungstheologie auf seinem Weg zum ewigen Heil." „Das ist doch das Gleiche!“ warf ein anderer ein. „Natürlich“ erwiderte der erste: „Es ist das gleiche, nur aus einem anderen Blickwinkel.“

„Der Weg ist das Ziel!“ Es ist noch nicht so lange her, da war dieses Schlagwort sozusagen in aller Munde. Daran muss ich immer wieder denken, wenn ich mit einem ausgeprägt befreiungstheologischen Denken konfrontiert werde. Es geht immer zuerst um unseren Weg durch das Leben, durch unsere Zeit. Es geht darum, diesen Weg möglichst gut zu gehen. Und es geht darum, die Voraussetzungen zu schaffen, damit alle Menschen einen guten Weg gehen können. Das Ziel scheint eine untergeordnete Rolle zu spielen, vielleicht sogar ein Automatismus zu sein.

„Das Ziel bestimmt den Weg!“ ist jene andere Sicht der Dinge, welche hinter dem steht, was ich Erlösungstheologie nenne. Dieses Ziel, auf das alles ausgerichtet ist, ist das ewige Heil des Menschen. Zu ihm sind wir berufen. Der Weg dazu ist schmal und das Tor ist eng. (vgl. Mt 7,14) Aber es lohnt sich, ihn zu gehen. Allein schaffen wir es zwar nicht, ja, es wäre uns nach der Erbschuld verschlossen geblieben, hätte nicht Christus am Kreuz uns wieder mit dem Vater versöhnt.

So gesehen scheint ein unüberbrückbarer Gegensatz zwischen den beiden Sichten zu stehen. Doch es gibt ein verbindendes Element, das nicht vergessen werden darf, weil sonst beide Haltungen leicht in Einseitigkeit und Sektierertum bis hin zum Fanatismus verfallen. Das ist die Gottesbeziehung. Nur aus einer persönlichen Beziehung zu Gott heraus vergesse ich auf meinem Weg durch das Leben das endgültige Ziel, das ewige Leben, nicht, bemühe ich mich, den richtigen Weg zu wählen und ihn auch richtig zu gehen. Und nur aus dieser gleichen Beziehung heraus kann ich auch einen schweren Weg in Gelassenheit, und im Vertrauen gehen. Nur aus dieser Beziehung heraus finde ich auch immer wieder auf den Weg zurück, selbst aus Versagen, Sünde und Schuld. Diese Beziehung führt mich zur Dankbarkeit, Dankbarkeit für das Kreuz Christi, für die Erlösung, und Dankbarkeit für all das Schöne und Gute, das mir auf diesem Weg geschenkt wird, von Gott unserem Herrn und von meinen Nächsten. Dankbarkeit aber ist ein anderes Wort für Liebe, für jene Liebe die Gott von uns im Doppelgebot verlangt: „Du sollst den Herrn, deinen Gott lieben, … und deinen Nächsten wie Dich selbst.




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