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Gedankensplitter - Einzeltext
Stefan Fleischer

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Seelsorge

Aber was ist die Seele?
05. August 2019
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Auf Grund einer Aussprache mit Vertreterinnen und Vertretern der Aktion «Für eine Kirche der Gleichwertigkeit» hat unsere Bistumsleitung beschlossen, sich der Sprachregelung im Bistum St. Gallen anzuschliessen und unsere Pastoralassistenten/Pastoralassistentinnen (im Volksmund auch Laientheologen/Laientheologinnen genannt) neu Pfarreiseelsorger und Pfarreiseelsorgerinnen zu nennen.

Schön, dass die Seelsorge – wenn ich diese Massnahme richtig verstanden habe – in unserem Bistum wieder einen höheren Stellenwert bekommen soll. In den letzten Jahrzehnten ist nämlich, nach meinen Beobachtungen, diese Aufgabe immer mehr in Vergessenheit geraten. Wenn ich an meine Jugend denken, so war der Herr Pfarrer zuerst einmal der Seelsorger seiner Gemeinde. Seine höchste Sorge war «das ewige Heil der ihm anvertrauten unsterblichen Seelen». Oberster Seelsorger der Ortskirche war der Bischof, oberster Seelsorger der Kirche der Papst. Auch wenn das oftmals nicht ideal gelang (auch damals waren unsere Geistlichen nur Menschen), das war das Ideal, an dem man sich notfalls immer wieder neu orientierte.

Dann kam die Zeit des Paradigmenwechsels von gottzentriert zu menschzentriert. Da hatte dann jene Geistseele keinen Platz mehr, welche unmittelbar von Gott geschaffen und nicht von den Eltern "hervorgebracht" ist. (KKK 366) Dass eine solche, wenn es sie überhaupt gibt - unsterblich ist und nicht zugrunde geht, wenn sie sich im Tod vom Leibe trennt, das interessierte kaum noch. Dass diese sich bei der Auferstehung von neuem mit dem Leib vereinen wird, noch weniger. Der Fokus wurde immer mehr auf diese Welt hier und jetzt und das irdische Heil gesetzt, das eigene und das der Anderen. Wenn es um das Göttliche in uns und der ganzen Welt ging, hiess es immer mehr - wie schon damals bei Paulus (Apg 17,32) - «Darüber wollen wir dich ein andermal hören.»

In der menschzentrieten Denkweise von heute wird der Begriff Seele immer mehr von Gott abgekoppelt und dem Begriff Psyche mehr oder weniger gleichgestellt. Damit aber verliert auch der Begriff Seelsorge seine tiefe, religiöse Bedeutung und wird immer mehr zur Psychiatrie beziehungsweise zur Psychohygiene (weil ja unsere Seelsorger nicht über eine ausreichende psychologische Ausbildung verfügen) einerseits, und zum Kampf für eine Weltverbesserung, zu welcher der Mensch auch ohne Gott fähig wäre, wenn nur alle mitmachen würden.

In diesem Sinn ist jeder Schritt zu begrüssen, welcher unsere Seelsorger und die ganze Kirche wieder neu vor die drängende Frage stellt, was das denn eigentlich sei, jene Seele, um welche wir uns zu sorgen hätten. Dann würden hoffentlich diese und wir alle endlich einsehen, dass wir auf der menschzentrierten Schiene immer mehr ins weltanschauliche Chaos schlitteln und so schlussendlich unsere Glaubwürdigkeit als Kirche verlieren.


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