Vernachlässigte Aspekte - Einzeltext
Stefan Fleischer

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Das ewige Leben 

Mk 10,17

  Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr
 

11. Oktober 2015
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Als sich Jesus wieder auf den Weg machte, lief ein Mann auf ihn zu, fiel vor ihm auf die Knie und fragte ihn: Guter Meister, was muss ich tun, um das ewige Leben zu gewinnen?

So beginnt der Evangelientext, der an diesem Sonntag bei uns verlesen wurde. Die Frage nach dem Kamel und dem Nadelöhr stand dann auch im Zentrum der Predigt, an der man eigentlich alles unterschreiben konnte. Was diese Homilie aber ausklammerte war die Frage nach dem ewigen Leben, die dieser Jüngling dem Herrn gestellt hatte. Es ging einfach nur um den rechten Umgang mit dem Reichtum in dieser Welt. Wenn das der tiefe Sinn dieses Evangelienabschnitt ist, so stellt sich die Frage, warum der Herr diesem jungen Mann, der sich treu an die zehn Gebote hielt, nicht antwortete. „Sehr gut. Aber was fragst Du nach dem ewigen Leben? Das schenkt Gott jedem Menschen ganz automatisch. Nutze also Deinen Reichtum um gute Werke zu tun, damit es Dir wohl ergehe und Du lange lebest auf Erden.“

Mir kam dann sofort auch jene andere Stelle der Schrift in den Sinn, wo Petrus dem Herrn antwortet: „Herr, wohin sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens.“ (Joh 6,68) War damals die Situation nicht so, dass viele Jünger Christus verlassen hatten, weil er nicht ein besseres Leben auf dieser Welt predigte, sondern von seinem Leib und Blut als Nahrung für das ewige Leben sprach? Und sind wir heute nicht wieder dort, wo viele Menschen von der Kirche Worte einer besseren Zukunft für diese Welt erwarten, und dann davon laufen, wenn sie merken, dass auch die Kirche nicht mehr zu bieten hat als Vertröstungen auf die Zukunft? Also müssten wir uns doch auch heute fragen: „Zu wem sollen wir gehen? Wer hat Worte des ewigen Lebens?“ Und müsste sich nicht auch die Kirche fragen, ob die wirklich frohmachende Botschaft, die zu verkünden uns der Herr aufgetragen hat, nicht zuerst in „Worten des ewigen Lebens“ besteht? Wäre das eine Vertröstung auf das Jenseits, oder nicht doch eher jene Kraftquelle, die uns das nötige Vertrauen und die Kraft gibt, unseren Weg nach bestem Wissen und Gewissen durch diese Welt zu gehen?


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