Vernachlässigte Aspekte - Einzeltext
Stefan Fleischer

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Restaurierungsarbeiten

  1.Kor 3,10-15
 
und Gottes Vorsehung

18. April 2019
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Auf seinem Twitter schrieb ein Ordensgeistlicher im Zusammenhang mit Fanal von Notre Dame in Paris: «Die vermutete Brandursache ist dieselbe wie 1823 in St. Paul vor den Mauern in Rom: Restaurierungsarbeiten am Dach. Kreisky würde sagen, „Lernen Sie Kirchengeschichte“» Ich will ihm nichts unterstellen. Aber für den normalen Gläubigen tönt das nach einem Maulkorb für all jene, welche hinter diesem Geschehen mehr sehen als ein reiner Zufall.

Auch ich gehöre nicht zu jenen, welche hinter allem und jedem ein direktes Eingreifen, eine offensichtlich Warnung Gottes oder dergleichen sehen. Ich glaube aber an einen in der Geschichte handelnden Gott. Früher nannte man das Gottes Vorsehung. Wenn dem nicht so wäre, weshalb wenden wir uns dann mit unserem Bitten an ihn? Ich glaube auch, dass es Privatoffenbarungen gibt, uns zur Warnung oder Erbauung. Aber ich glaube nicht allem, was sich als solches präsentiert. Im Zweifel halte ich mich an das Urteil der Kirche. Ich glaube auch, dass Gott uns auch heute noch immer wieder auf verschiedene Art und Weise warnt und mahnt. Aber auch hier glaube ich, was die Schrift sagt: «seid daher klug wie die Schlangen und arglos wie die Tauben» (Mt 10,16) Doch eines dürfen wir bei alledem nie vergessen: Gottes Handeln in der Geschichte kann auch darin bestehen, dass er nicht eingreift, dass der so etwas wie diesen Brand geschehen lässt, um uns so zum Nachdenken und nötigenfalls zu Umkehr bewegen.

Ich möchte mich hier nicht weiter auf diese Thematik einlassen. Ein anderer Gedanke kam mir, als mich an Paulus erinnerte, welcher in 1.Kor 3,10-15 schreibt:

«Der Gnade Gottes entsprechend, die mir geschenkt wurde, habe ich wie ein guter Baumeister den Grund gelegt; ein anderer baut darauf weiter. Aber jeder soll darauf achten, wie er weiterbaut. Denn einen anderen Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist: Jesus Christus. Ob aber jemand auf dem Grund mit Gold, Silber, kostbaren Steinen, mit Holz, Heu oder Stroh weiterbaut: das Werk eines jeden wird offenbar werden; jener Tag wird es sichtbar machen, weil es im Feuer offenbart wird. Das Feuer wird prüfen, was das Werk eines jeden taugt. Hält das stand, was er aufgebaut hat, so empfängt er Lohn. Brennt es nieder, dann muss er den Verlust tragen. Er selbst aber wird gerettet werden, doch so wie durch Feuer hindurch.»

Unsere Heilige Kirche ist immer, auch hier und heute, eine Baustelle. Der Grund ist gelegt, Christus unser Herr und Erlöser. Einen anderen Grund gibt es nicht. Auf diesem Grund muss weiter gebaut werden. Dabei lauern viele Gefahren. Die Bauleute von heute, wir alle, müssen sorgfältig darauf achten, dass wir mit unserem Tun und Lassen, bei dem verwendeten Material (unserer Theologie etc.), mit unserer Vorgehensweise und durch unsere persönlichen Wünsche und Vorstellungen nicht das Bauwerk als Ganzes entstellen, gefährden oder für den eigentlichen Zweck unbrauchbar machen. Sonst kann das passieren, was nach dem heutigen Wissenstand, mit Notre Dame passiert ist. Durch eine kleine Unachtsamkeit entstand ein Feuer, welches sich dann rasch ausbreitete. Und es war niemand da, welcher dieses rechtzeitig entdeckte und im Keim erstickte.

Es würde sicher nicht schaden, wenn wir alle uns durch diese Ereignisse daran erinnern lassen würden, dass wir weder die Herren noch die Architekten dieser Kirche sind, dass wir immer nach Gottes Plan und Auftrag weiterbauen und restaurieren müssen und dabei die nötigen Vorsichtsmassnahmen nicht vernachlässigen dürfen. Sonst werden wir früher oder später den Verlust zu tragen haben. Dazu wird uns Gott, in seiner Vorsehung immer wieder – auf seine Art und Weise - die nötigen Mahnung und Warnungen zukommen lassen. An uns ist es, mit offenen Augen und Ohren für Gott durch eine Welt zu gehen, welche immer wieder versucht uns zu blenden und die Stimme Gottes zu übertönen.


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