Vernachlässigte Aspekte - Einzeltext
Stefan Fleischer

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Der Sinn des Lebens

  Lk 15,11-14
 
Die Freude am Herrn

03. Juli 2017
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 Weiter sagte Jesus: Ein Mann hatte zwei Söhne. Der jüngere von ihnen sagte zu seinem Vater: Vater, gib mir das Erbteil, das mir zusteht. Da teilte der Vater das Vermögen auf. Nach wenigen Tagen packte der jüngere Sohn alles zusammen und zog in ein fernes Land. Dort führte er ein zügelloses Leben und verschleuderte sein Vermögen. Als er alles durchgebracht hatte, kam eine große Hungersnot über das Land und es ging ihm sehr schlecht.

„Der Sinn des Lebens, des Daseins ist die Freude.“ Das entgegnete mir kürzlich jemand auf einen meiner Texte. Was er konkret damit meinte, war nicht ganz klar. "Unser Leben sei ein Fest" heisst ein modernes Kirchenlied. Und wer kennt nicht die Ode: „Freude, schöner Götterfunke“. Auf der anderen Seite aber singt unsere Kirche im Stundengebet immer noch das „Salve regina“ in welchem es heisst: „in hac lacrimarum valle“, zu Deutsch „in diesem Tal der Tränen“.

„Der Sinn des Lebens, des Daseins ist die Freude.“ sagte sich wohl auch der Sohn im Gleichnis, als er sein Erbe verlangte und wegzog aus dem Vaterhaus. Er fand sie auch, die Freude, die er suchte, solange das Erbe reichte. Doch als das Geld zu Ende ging, und dann noch eine Hungersnot kam, ging es ihm sehr schlecht. Ist das nicht auch eine der Lehren, welche wir aus diesem Gleichnis ziehen müssen; auf die Freuden dieser Welt ist kein Verlass.

Schon Nehemia sagte: „Nun geht, haltet ein festliches Mahl und trinkt süßen Wein! Schickt auch denen etwas, die selbst nichts haben; denn heute ist ein heiliger Tag zur Ehre des Herrn. Macht euch keine Sorgen; denn die Freude am Herrn ist eure Stärke. (Neh. 8,10) Da soll noch jemand von der Leibfeindlichkeit der Bibel sprechen. Sie sagt aber auch, dass Freude nicht gleich Freude ist.

Ob der Sohn im Gleichnis sich vielleicht an diese Schriftstelle erinnerte, als er sich entschloss, aufzubrechen und zum Vater zurück zu kehren? Es war ihm auf alle Fälle klar geworden, dass es ihm nur beim Vater wirklich gut gehen kann, selbst dann, wenn dieser ihn zu einem seiner Tagelöhner machen würde. Dass solches nicht geschehen werde, das hoffte er natürlich sehr. Und er erinnerte sich des Schlüssels um des Vaters Herz zu öffnen: die Einsicht: „Vater, ich habe gesündigt!“

Der andere Sohn, der sich ob des Vaters Haltung ärgerte, hatte noch nicht begriffen. Ein Ziegenböcklein um ein Fest mit Freunden zu feiern, das war jene Freude, die er suchte. Damit unterscheidet er sich nicht grundsätzlich von seinem jüngeren Bruder. Vielleicht hatte er damals einfach nicht den Mut gehabt, das Risiko einzugehen und ebenfalls wegzuziehen. „Mein Kind, du bist immer bei mir, und alles, was mein ist, ist auch dein.“ Daran muss ihn sein Vater jetzt erinnern.

Die Freude am Herrn, die Freude beim Vater zu sein, so könnten wir auch das Himmelreich definieren. Und was liegt dann näher, als diese Freude, die Beziehung zu Gott, schon hier und jetzt zu suchen und zu pflegen? Dann spielt es für uns immer weniger eine Rolle, ob wir uns im Augenblick in diesem Tal der Tränen bewegen, oder „einen heiligen Tag zur Ehre des Herrn“ feiern dürfen. Die Freude am Herrn ist unsere Stärke. Sie allein ist Sinn und Ziel unseres Lebens.

„Wir sind auf Erden um Gott zu erkennen und zu lieben, nach seinem Willen das Gute zu tun und eines Tages in den Himmel zu kommen“ formuliert dies der YOUCAT in Frage 1.


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