Vernachlässigte Aspekte - Einzeltext
Stefan Fleischer

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Die Freude am Glauben

1.Kor 1,17

  und die Botschaft vom Kreuz

06.August 2018
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Denn Christus hat mich nicht gesandt zu taufen, sondern das Evangelium zu verkünden, aber nicht mit gewandten und klugen Worten, damit das Kreuz Christi nicht um seine Kraft gebracht wird.

Dem Völkerapostel gelang es, bei seinen Zuhörern die Freude am Glauben zu wecken. Sein Rezept dazu lautet: "Das Evangelium zu verkünden, aber nicht mit gewandten und klugen Worten, damit das Kreuz Christi nicht um seine Kraft gebracht wird." Schwindet die Freude am Glauben deshalb zusehends, weil unsere Kirche, weil wir alle, dieses Rezept viel zu wenig anwenden? Dabei ist es doch ganz einfach. Es besteht aus drei Komponenten: das Evangelium verkünden, nicht mit gewandten und klugen Worten, und das Kreuz Christi nicht um seine Kraft bringen.

Das erste ist, das Evangelium zu verkünden. Nicht dass das heute nicht mehr geschehen würde. Aber es fehlt dabei oft das Feuer – oder müsste man vielleicht sagen, die eigene, unerschütterliche Glaubensüberzeugung? Das zeigt sich darin, dass man gerne um den heissen Brei herumredet, dass man aus dem ganzen, umfassenden Glauben nur die "Streicheleinheiten" herauspickt, dass man einzelne Teile und/oder Aspekte überbetont und andere sträflich vernachlässigt. Dass das bei diesem so, bei jenem anders herauskommt ist nur logisch, dass aber dabei der Eindruck entsteht, jeder verkünde sein eigenes Evangelium, nicht zu vermeiden. So aber wird aus unserer "streitenden Kirche", wie ein alter Begriff für die auf Erden existierende Kirche lautete, zu einer hoffnungslos zerstrittenen Kirche. Eine solche Kirche aber schafft sicher keine Freude am Glauben.

Die zweite Komponente scheint mir noch weit mehr vernachlässigt zu werden. Die Terminologie unserer Theologie ist heute äusserst kompliziert, so gar nicht auf die Bedürfnisse des einfachen Gläubigen zugeschnitten. Zudem werden oft die gleichen Begriffe für ganz unterschiedliche, wenn nicht gar widersprüchliche Sachverhalte verwendet. Das hat zwei Folgen. Einerseits verstehen die einfachen Gläubigen oft gar nicht mehr, was der Prediger nun genau sagen will und was nicht. Andererseits verstehen sich die Theologen untereinander auch nicht mehr. Und drittens schwindet damit unter den Gläubigen, fast unmerklich aber mit einer beängstigenden Geschwindigkeit, jenes Glaubenswissen, ohne dessen genügender Kenntnis Zweifel und Verwirrung sich immer weiter ausbreiten.

Der Mangel bei der dritten Komponente scheint mir – wenigstens soweit ich das in meinem Umfeld beobachten kann - der bedenklichste. Wo bleibt das Kreuz Christi in der heutigen Verkündigung? Wo bleibt die Lehre von unserer Erlösung durch Leiden und Tod unseres Herrn am Kreuz? Wo bleibt z.B. die "eine Taufe zur Vergebung der Sünden" wie wir sie im (längst fast immer tot geschwiegenen) grossen Credo bekennen? Damit aber wird unserem Christentum immer mehr die eigentliche Grundlage entzogen. Damit wird die Hoffnung des Menschen vom ewigen zum irdischen Heil gelenkt. Das aber macht aus unserer Lehre eine Ideologie, denn Befreiung aus was auch immer genügt dem Menschen nicht. In seinem Innersten weiss er, dass er sich in dieser Welt nie aller Zwänge und Knechtschaften wird entledigen können. So sucht er immer wieder "Erfahrungen des Heils" bis er merkt, dass es eine solche nur gibt "in der Vergebung der Sünden." (vgl. Lk 1,77) Ihm diese zu vermitteln geht nicht ohne die Botschaft vom Kreuz. Nur im Kreuz ist Erlösung. Nur das Kreuz garantiert die Vergebung der Sünden. Nur das Kreuz eschliesst uns den Weg in die ewige Heimat. Dies ist die einzig untrügerische Hoffnung unseres Lebens. Und nur aus dieser Hoffnung wächst die Freude am Glaube.


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