Vernachlässigte Aspekte - Einzeltext
Stefan Fleischer

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Die Freude am Herrn

  Ps 32,11 und Phil 4,4
 
die Freude im Herrn

14. Oktober 2018
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Freut euch am Herrn und jauchzt, ihr Gerechten, /
jubelt alle, ihr Menschen mit redlichem Herzen!


Freut euch im Herrn zu jeder Zeit! Noch einmal sage ich: Freut euch!

In einer Diskussion sprach jemand von der Freude am Herrn. Ein anderer nahm den Gedanken auf, sprach aber von der Freude im Herrn. Im weiteren Verlauf zitierte jemand dann Romano Guardini: "Die Stiftung der Eucharistie ist zugleich Offenbarung. Sie sagt uns, wie der Glaubende zu Christus stehen soll, nicht vor ihm, sondern in ihm."

Im Alten Testament wird - wenn ich das richtig gesehen habe – nur von der Freude an Gott gesprochen. Im Neuen dagegen findet sich diese Formulierung nirgends. Dafür aber ist von der Freude in Gott die Rede. Ich glaube, dies darf man wohl auch als Bestätigung der Aussage von Romano Guardini verstehen. Der Paradigmenwechsel – wenn man das so sagen darf - zwischen dem Alten und dem Neuen Testament in Bezug auf die Haltung des Menschen Gott gegenüber liegt doch darin, dass uns Gott in der Menschwerdung Christi entscheidend näher gekommen ist. Er ist nun nicht mehr nur jener, vor dem wir als seine Diener stehen, auch wenn wir das natürlich immer noch sind. Er ist nun auch jener, der gekommen ist "nicht um bedient zu werden, sondern um zu dienen", indem er uns "Kunde vom Vater bringt" einerseits und indem er "sein Volk aus seinen Sünden erlöst" andererseits. Er tut dies, indem er einer von uns wird, und doch ganz Gott bleibt. Aus diesem Geheimnis heraus kann nun Paulus sagen: "in ihm leben wir, bewegen wir uns und sind wir." (Apg 17,28) Und die Konsequenz daraus ist, dass wir nun nicht mehr einfach nur Freude am Herrn haben können, sondern jetzt ganz aus der Freude im Herrn leben dürfen.

Das Geheimnis der eucharistischen Gegenwart unseres Herrn kann uns helfen, dies etwas besser zu verstehen. Wir glauben, dass Christus real, mit Gottheit und Menschheit unter den Gestalten von Brot und Wein gegenwärtig ist. Wir glauben deshalb auch, dass er wahrhaft, mit Gottheit und Menschheit, in jeden Einzelnen von uns "Wohnung nimmt". Und trotzdem glauben an ihn als jenen, den die Himmel und die Himmel der Himmel nicht zu fassen vermögen. Wir glauben, dass seine Erlösertat für uns immer wieder gegenwärtig wird, ja dass er uns in dieses reine, heilige und lebendige Opfer mit hinein nimmt, wenn wir auf sein Wort hin dieses Geheimnis feiern. Dies alles geschieht in der grenzenlosen Liebe des allmächtigen und dreifaltigen Gottes, der "den Sohn dahin gab um den Knecht zu erlösen." Wenn das kein Grund zur Freude ist: Wir sind in ihm und er ist in uns.

Wenn wir einfach nur vor Gott stehen, und ihn mit unserem Verstand und unserem Gefühl zu begreifen versuchen, dann greifen wir immer zu kurz. Nur in der Freude im Herrn leuchtet uns ein wenig von dem auf, was uns erwartet, wenn wir einst für immer und ewig "in ihm leben, uns bewegen und sein werden."

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