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Gedankensplitter - Einzeltext
Stefan Fleischer

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Gott ist für uns da

Der Herr
 
29. April 2020
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«Gott ist mit uns. Gott ist für uns da» Warum wird das eigentlich heute so oft gesagt und so sehr betont? Wenn wir davon ausgehen, dass Gott unser Schöpfer ist, dann ist doch klar, dass kein vernünftiger Gott – an einen solchen glauben wir doch – irgend etwas geschaffen hat um es nachher seinem Schicksal zu überlassen.

Oder haben wir vielleicht das Bewusstsein dafür verloren, dass Gott der Schöpfer ist? Immer wieder begegne ich Predigten, Artikeln und Abhandlungen, welche den Eindruck erwecken, als gebe es Gott im Grunde genommen nur, um mit uns, für uns Menschen da zu sein. Das wird natürlich nie so direkt gesagt. In den allermeisten Fällen dürfte es den Autoren solcher Texte gar nicht bewusst sein, dass ein solcher Eindruck entstehen könnte. Und ein solcher Eindruck wird zumeist auch gar nicht bewusst wahrgenommen. Er passt ja haargenau in unser heutiges menschzentriertes Denken, Reden und Handeln hinein. Die Gefahr dabei ist, dass Gott als der «Vater, der Allmächtige, der Schöpfer des Himmels und der Erde» immer mehr verdrängt, dass er immer mehr auf seine Liebe zu uns reduziert wird.

Gott ist Liebe- ohne Zweifel. Aber einerseits, ist er nicht noch viel mehr? Ist er nicht eben auch der Schöpfer? Ist er nicht auch Gerechtigkeit? Oder zusammenfassend gesagt; ist er nicht der Herr? Und ist es wirklich richtig diese Liebe so einseitig auf seine Liebe zu uns zu reduzieren? Laufen wir dann nicht schnell einmal Gefahr, ihn auf seine Liebe zu mir persönlich zu beschränken. Selbstverständlich liebt Gott uns Menschen alle. Entscheidend für mich aber wird in einer solchen Haltung, dass er mich liebt.

Dabei, wer sagt uns, dass wirklich der irdische Mensch - oder gar ich - das Zentrum des Universums ist? Ganz ausschliessen, dass es nicht auf einem anderen Himmelskörper ebenfalls menschenähnliche Lebewesen geben könnte, welchen Gott sich offenbart, lässt sich sicher nicht. Und dass es noch immaterielle Geschöpfe gibt, welche ebenfalls intelligent und liebesfähig sind und vielleicht sogar in einer intensiveren Gottesbeziehung stehen als wir, dafür steht die Rede in der Schrift von den Engeln, Mächten und Gewalten.

«Giovanni, nimm Dich nicht so wichtig!» Ob wir heutige Menschen uns nicht einfach viel zu wichtig nehmen? Ob es uns, jedem Einzelnen und der ganzen Menschheit nicht besser täte, wenn wir Gott wieder als Schöpfer und Herrn bewusst anerkennen und in unser Leben (und damit auch in unsere Beziehung untereinander) einbeziehen würden. «Barmherzig ist er allen, die ihm in Ehrfurcht nah’n» singen wir in einem Kirchenlied. «Gottesfurcht ist Anfang der Erkenntnis / nur Toren verachten Weisheit und Zucht.» (Spr 1,7) wussten schon die Alten. Wie manches Chaos und Unheil könnte nicht vermieden werden, wenn solche Mahnungen für uns alle nicht so «vorkonziliar» wären.


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