Vernachlässigte Aspekte - Einzeltext
Stefan Fleischer

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Gebet und Wort

  Apg 6,2-4
 
Der Auftrag der Kirche

06.07.2020
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Da riefen die Zwölf die ganze Schar der Jünger zusammen und erklärten: Es ist nicht recht, dass wir das Wort Gottes vernachlässigen und uns dem Dienst an den Tischen widmen. Brüder, wählt aus eurer Mitte sieben Männer von gutem Ruf und voll Geist und Weisheit; ihnen werden wir diese Aufgabe übertragen. Wir aber wollen beim Gebet und beim Dienst am Wort bleiben.

Wenn einer unserer Hirten in einem Interview erklärt: «Wir haben einen Auftrag, für die Menschen da zu sein - im karitativen Sinn - aus der Quelle der Wahrheit, die Jesus ist.» dann ist das vermutlich dem Stress solcher Situationen zuzuschreiben. Als Kenner der Heiligen Schrift sollte er eigentlich wissen, dass der Auftrag des Herrn an seine Kirche nicht ist, eine Wohltätigkeitsorganisation zu sein. «Macht alle Menschen zu meinen Jüngern». heisst es deutlich in Mt 28,19. Und die Mittel dazu sind die Verkündigung und die Taufe.

Und wenn wir uns fragen, wie denn die ersten Christen den Auftrag der Kirche verstanden haben, so finden wir in der Apostelgeschichte die aufschlussreiche Geschichte von der Einsetzung der Diakone. «Es ist nicht recht, dass wir das Wort Gottes vernachlässigen und uns dem Dienst an den Tischen widmen.» Dieses Wort der Apostel an die Jüngerschaft ist eigentlich deutlich genug. Karitative Aufgabe sind nicht die Kernaufgabe der Kirche. «Wir aber wollen beim Gebet und beim Dienst am Wort bleiben.»

Das ist sicher nicht eine Herabsetzung oder Vernachlässigung der karitativen Tätigkeiten. Diese sind aber nichts anderes als die Erfüllung einer - und nicht der einzigen - «Ausführungsbestimmung» (wenn man das einmal so sagen darf) des Gebotes der Nächstenliebe, welche zusammen mit der Gottesliebe jenes allumfassende Hauptgebot bilden, das zu verkünden und zu lehren die Kirche gesandt ist.

Was bei dieser Schriftstelle aber - besonders heute - gerne überlesen wird, ist die Tatsache, dass dabei das Gebet für die Apostel an erster Stelle steht. Diese hatten ja noch das lebendige Beispiel des Herrn vor Augen, welcher sich immer und immer wieder zum Gebet zurückgezogen hatte, um seinem Auftrag gerecht werden zu können. Wenn wir heute mehr Priester mit einer Aktenmappe antreffen als mit dem Brevier, müssten wir da nicht gerade diesen Aspekt der Geschichte «von den Dächern verkünden»? Aber nicht nur unseren Amts- und Würdenträgern gilt diese Mahnung. Wir alle müssen uns immer wieder neu bewusst werden: «An Gottes Segen ist alles gelegen!» Das Gebet, das eigene wie die Verkündigung und Anleitung dazu, gehören zwingend zum Auftrag unserer Kirche.

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