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Gedankensplitter - Einzeltext
Stefan Fleischer

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Es gibt keinen Frieden ohne Gerechtigkeit

an einem konkreten Beispiel beleuchtet

21. Januar 2017
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Vor einiger Zeit erzählte mir ein Freund von einem Erbschaftsfall, der nur deswegen einigermassen gerecht und friedlich über die Bühne ging, weil einer der Beteiligten sich sagte: „Es ist schön, wenn ich etwas erhalten. Aber im Grund genommen bin ich ja nicht darauf angewiesen.“ Dieser verzichtete dann auf gewisse Ansprüche, welche er durchaus hätte geltend machen können. Dadurch erhielten die anderen etwas mehr, welche finanziell nicht gleich komfortabel ausgestattet waren wie er, was natürlich deren Zufriedenheit erhöhte. Und zudem konnte so ein Streit um den Verteilschlüssel der Beerdigungs- und Grabkosten vermieden werden, welcher sich abzuzeichnen begann. Ob sich diese Geschichte tatsächlich so zugetragen hat, kann ich nicht nachprüfen. Aber auf Grund meiner Erfahrungen in Erbschaftangelegenheiten ist sie zwar nicht unbedingt die Regel, aber auch absolut nicht unwahrscheinlich. Und nicht zuletzt zeigt sie, dass das Schlagwort „kein Friede ohne Gerechtigkeit“ nur dann gilt, wenn das Wort Gerechtigkeit richtig verstanden wird als der Zustand, in welchem jeder hat, was er braucht. Wenn es jedoch bedeutet: „Wenn du meine „gerechten“ Forderungen nicht erfüllst, gibt es Krieg!“, dann wird es gefährlich. Besser wäre es wohl den Menschen wieder klar zu machen: „In einer Welt, in der keiner mehr bereit ist, auf sein Recht zu verzichten, damit andere nicht leiden, kann weder Friede noch Gerechtigkeit gedeihen.“


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