Gedankensplitter - Einzeltext
Stefan Fleischer

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Gescheiterte Ehen  

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05. Mai 2014
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Eine Ehe kann scheitern. Das ist eine uralte menschliche Erfahrung. Und das kommt in unserer egozentrischen und sexualisierten Welt sehr oft vor. Eine Ehe aber ist unauflöslich, das ist die Lehre unserer Kirche. Sie ist so tief in unserem Glauben verankert, dass es, sofern dies überhaupt möglich ist, eines Konzils bedarf, um hier eine Änderung herbei zu führen. Eine gültig geschlossene Ehe bleibt also bestehen, was immer auch geschieht. Als Katholiken ist dies für uns die Grundlage, auf der wir die aktuellen Probleme lösen müssen.

Die Versuchung liegt nahe, eine Ehe, die scheitert, als ungültig zu betrachten. Und was liegt da näher, als formaljuristisch nach Gründen zu suchen? Müssen wir aber nicht immer zuerst davon ausgehen, dass die Betroffenen bei ihrer Hochzeit eine gültige Ehe schliessen wollten? Wozu haben wir Trauzeugen, wenn nicht um zu bestätigen, dass dieser Wille, eine gültige Ehe zu schliessen, vorhanden war? Und überwiegt dieser Wille dann nicht gewisse Formfehler bei der Schliessung der Ehe? Sind also die vorgebrachten Gründe wirklich Gründe oder einfach nur Ausreden?

Eine weitere Frage ist auch, beinhaltet eine Eheschliessung nicht die Pflicht, inskünftig füreinander zu sorgen, einander zu helfen, was auch immer geschehen mag? Ist es, so gesehen, nicht eine himmelschreiende Sünde, wenn nach dem Scheitern einer Ehe der eine Partner ins Elend stürzt und vielleicht sogar Kinder mit sich reisst, der andere aber es sich gut gehen lässt? Ist ein Christ vom Gebot der Nächstenliebe dispensiert, wenn das Liebesgefühl für seinen Nächsten verschwunden ist? Ist nicht ein Ehepartner, dem man einmal die Liebe und Treue versprochen hat, nicht in einem weit höheren Mass der Nächste, als irgendeine wildfremde Person, möglichst weit weg von mir?

Wäre aber das Bewusstsein dieser Pflicht nicht oft eine hohe Hemmschwelle, um es in einer Ehekrise nicht bis zum Äussersten kommen zu lassen? Würde eine solche Pflicht, die weit über gerichtlich verordnete Alimente hinausgeht, nicht in vielen Situationen den „Zwang“ zu einer Wiederverheiratung wegnehmen, oder zumindest mildern? Und könnte diese Pflicht nicht in vielen Fällen ein kräftiger Anstoss sein, sich zu versöhnen, das zerrissene Band neu zu knüpfen, dem Anderen und sich selbst eine neue Chance zu geben?

Ich glaube, auch solche Überlegungen müssten in die ganze heutige Diskussion einfliessen, wenn wir die Probleme in christlicher Verantwortung vor Gott und den Menschen lösen wollen.



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