Vernachlässigte Aspekte - Einzeltext
Stefan Fleischer

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Der aus dem Glauben Gerechte

 
Gal 3,11-14

 
Gesetz und Gebote

22. Mai 2018
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Dass durch das Gesetz niemand vor Gott gerecht wird, ist offenkundig; denn: Der aus Glauben Gerechte wird leben. Das Gesetz aber hat nichts mit dem Glauben zu tun, sondern es gilt: Wer die Gebote erfüllt, wird durch sie leben. Christus hat uns vom Fluch des Gesetzes freigekauft, indem er für uns zum Fluch geworden ist; denn es steht in der Schrift: Verflucht ist jeder, der am Pfahl hängt. Jesus Christus hat uns freigekauft, damit den Heiden durch ihn der Segen Abrahams zuteil wird und wir so aufgrund des Glaubens den verheißenen Geist empfangen.

Schon Petrus wusste: "Das hat euch auch unser geliebter Bruder Paulus mit der ihm geschenkten Weisheit geschrieben; es steht in allen seinen Briefen, in denen er davon spricht. In ihnen ist manches schwer zu verstehen und die Unwissenden, die noch nicht gefestigt sind, verdrehen diese Stellen ebenso wie die übrigen Schriften zu ihrem eigenen Verderben." Dass durch das Gesetz niemand vor Gott gerecht wird, das wird oft zitiert. Dass es zwei Sätze weiter heisst: "Wer die Gebote erfüllt, wird durch sie leben", das geht dann bei der weiteren Ausbreitung sehr oft vergessen. Dabei ist doch klar, dass Paulus sehr genau unterscheidet zwischen dem Gesetz und den Geboten.

Mit Gesetz meint Paulus ganz konkret all die vielen Vorschriften, welche ein strenggläubigen Jude einzuhalten hatte. Mit den Geboten sind dann der Dekalog, die zehn Gebote gemeint. Das Wort Gebote steht also für Gottes Willen, das Gesetz für das, was ich hier einmal als die menschlichen Ausführungsbestimmungen dazu bezeichnen möchte. Christus hat uns vom Fluch des Gesetztes freigekauft, vom Wahn, die Einhaltung von Gesetzen und Vorschriften könne uns retten. Durch den Glauben an Christus, den Gekreuzigten, den Paulus und die anderen Apostel uns verkündeten (vgl. 1.Kor 1,23) und die Kirche uns überliefert, wird uns jener Geist zuteil, der uns lehrt, den Buchstaben des Gesetzes mit dem Geist der Gebote zu erfüllen. Es ist jener Geist, in dem wir sagen: "Abba, Vater!" (vgl. Röm 8,15) Der Glauben an unsere "Gerechtmachung" durch das Kreuz - um einmal diesen Begriff zu verwenden - führt uns hinein in jene Liebesbeziehung zu Gott, welche das erste und wichtigste Gebot von uns fordert, und welches Christus der Herr umschreibt mit: "Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt." (Joh 14,21)

Blinder Gehorsam ist falsch. Blinder Ungehorsam genauso. Gehorsam aus Liebe, aus kindlichen Liebe zu ihm, dem Vater, das ist es, was Gott von uns erwartet. Das ist es, was es heisst: "Der aus Glauben Gerechte wird leben."


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