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Gedankensplitter - Einzeltext
Stefan Fleischer

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Glaube ist

Wer glauben will, …

31. Juli 2017

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In seiner Predigt zum Gleichnis von der kostbaren Perle und dem Schatz im Acker erzählte die Ferienaushilfe unserer Pfarrei von den beiden Typen von Gläubigen, welche es gebe, den G-Typ und den S-Typ. Der G-Typ sei der Glückspilz, dem der Glaube einfach so zufalle, der S-Typ sei der Suchende, der sich mühsam durch seine Zweifel hindurch kämpfe. Für mich selber muss ich sagen, dass ich eine solche klare Trennung nicht kenne. Es gibt Momente, in denen mir der Glaube wie gebratene Tauben in den Mund fliegt und andere, wo ich in dunkler Nacht durch den finstern Wald wandere und das Öl für die Lampe zu Hause gelassen habe. Das kann von Tag zu Tag, ja sogar von Stunde zu Stunde ändern.

Und dann gibt es noch andere Typen, die in meinem Leben ebenfalls mitspielen. Da ist zum Beispiel jener, der – wie es in einen Aphorismus heisst – "Gott sucht, aus lauter Angst, ihm zu begegnen", der sich vor den Konsequenzen fürchtet, wenn er Gott wahrnehmen, für wahr nehmen, würde. Und dann ist da auch der andere, dem Gott die kostbaren Perlen nur so auf den Weg streut, der sie aber nicht aufliest. Hier gibt es dann zwei Untertypen, jener, der zu faul ist sie aufzulesen und jener, der daran vorbeirennt, weil er befürchtet eine noch kostbarere zu verpassen, wenn er seine Zeit damit verschwendet, sich um diese zu kümmern.

In dieser Situation kommt mir immer wieder ein anderer Spruch in den Sinn, den ich einmal gefunden habe: „Wer glauben will, muss glauben wollen.“ Glaube ist ein Geschenk Gottes, das wir annehmen müssen, aber auch ablehnen können. Glaube ist ein Geschenk, um das wir bitten, vielleicht sogar betteln dürfen. Glaube ist ein Geschenk, das wir zu beschützen und zu verteidigen haben. Glaube ist ein Geschenk, das wir pflegen und nähren müssen. Glaube ist ein Geschenk, das uns Gott immer bereit hält, selbst wenn wir es noch so oft nicht schätzen oder gar ablehnen. Und, Glaube ist ein Geschenk, das Gott uns hin und wieder direkt überreicht, meist aber durch seine Boten, durch seine Kirche anbietet. Man könnte auch – in Abwandlung einer Definition von Heiligkeit die ich einmal gefunden habe - zusammenfassend sagen: „Glaube ist die tiefe Beziehung zu Gott, ein wunderbares und unergründliches Zusammenspiel von Gott und Mensch, von Gnade und Bemühen.“


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