9


Gedankensplitter - Einzeltext
Stefan Fleischer

Alle Texte sind im Menu links aufrufbar

Leben aus dem Glauben


was heisst das?

2. Oktober 2018
Aphorismen
Gedanken-
splitter

Gedanken-
splitter Archiv

vernachlässigte Aspekte
vernachlässigte Aspekte Archiv
Weihnachts-
geschichten






Immer wieder hört und liest man in letzter Zeit von "Leben aus dem Glauben". Und diese Mahnung ist wichtig. Doch wie soll der einfache Gläubige von heute aus dem Glauben leben, wenn er nicht (mehr) weiss, was dieser Glaube alles beinhaltet und was nicht? Und wie soll er das wissen, wenn der Glaube heute – überspitzt ausgedrückt - auf den einzigen Satz reduziert zu sein scheint: "Gott ist Liebe!"? Natürlich, "Gott ist Liebe", das ist die Zusammenfassung unseres Glaubens, oder besser gesagt, das ist der gemeinsame Nenner aller Glaubenswahrheiten. Aber konkret in unserem Leben, was heisst das und was heisst das nicht?

Manchmal habe ich nach solchen Predigten den Eindruck, der Sprechende wisse selbst nicht so genau, aus welchem Glauben heraus wir (und er?) leben sollen. Oder wagt er es einfach nicht mehr, den Glauben seiner Kirche zu verkünden? Ja, ein guter Mensch zu sein, gute Werke zu tun, sich für Friede und Gerechtigkeit einzusetzen, sicher. Aber was hat der Glaube, was hat Gott konkret mit all dem zu tun? Tun das nicht auch die Heiden? Was oder wer ist überhaupt dieser Gott, der da oft einfach wie der Aufhänger zu einem bestimmten sozialpolitischen Thema daherkommt? Hat er uns etwas zu sagen? Was sagt er uns und wie sagt er es uns?

Und was ist dieses Reich Gottes, von dem so oft die Rede ist? Ist es ein frommer Wunsch für zukünftige Generationen? Ist es einfach ein Ideal oder gar nur eine Illusion? Ist es vielleicht jene Sisyphusarbeit, zu der wir hierauf Erden verdammt sind, bei der all unser Mühen immer wieder durch die Lebensrealität des Bösen in der Welt und in uns selbst weggewischt werden? Oder ist es vielleicht doch diese letzte und sichere Hoffnung auf jenes ewige Leben, das uns unser Herr am Kreuz wieder erschlossen hat?

Und wie steht es mit dieser "bedingungslosen" Barmherzigkeit Gottes? Können wir schlussendlich leben wie wir wollen, am Schluss drückt uns dieser "liebende Vater" ganz sicher in die Arme und sagt: "Schwamm drüber!"? Ist das gerecht, wenn er so mit meinen Feinden umgeht? Wenn nicht, ist es dann nicht auch ungerecht, wenn er mich so behandelt? Sagt uns unser Gewissen nicht auch manchmal – ganz leise – etwas von Wiedergutmachung und Sühne.

Was ist das überhaupt, diese Gemeinschaft, in welche wir in der Taufe aufgenommen wurden? Ist sie nicht genau so zersplittert und brüchig wie jede andere Gemeinschaft auch? Was ist das, die Taufe? Einfach ein Aufnahmeritual in die Kirche? Oder ist sie vielleicht jene "eine Taufe zur Vergebung der Sünden" von welcher im grossen Glaubensbekenntnis (wer kennt es heute noch) die Rede ist? Doch, gibt es überhaupt die Sünde? Ist nicht einfach alles nur ein Fehler und/oder ein Versagen?

Nein, in einem solchen Nebel ist ein Leben aus dem Glauben unmöglich. Und diesen Nebel kann nur Gott zerreissen, der ganze, wahre, unendliche, der Schöpfer des Himmels und der Erde und damit unser Herr. Er zerreisst ihn durch seine Selbstoffenbarung an uns, für welche er zutiefst in jeden Menschen ein Streben, eine Sehnsucht gepflanzt hat. Unser Herr und Erlöser, Jesus Christus, hat sie uns erschlossen und durch seinen Sühnetod für uns am Kreuz beglaubigt. Leben aus dem Glauben setzt die Annahme dieser Offenbarung voraus, welche seine eine, heilige, katholische und apostolische Kirche, in der Kraft des Heiligen Geistes, durch alle Jahrhunderte zu bewahren und zu verkünden den Auftrag hat.

Natürlich müsste man noch viel dazu sagen. Und das heisst nichts anderes als Neuevangelisation. Packen wir es an, damit wir und alle Menschen wahrhaft aus dem Glauben leben können.


********


Home
weitere Texte
Archiv
nach oben