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Gedankensplitter - Einzeltext
Stefan Fleischer

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Die Gnade

ein vergessener Aspekt des christlichen Lebens

17. März 2017

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Als ich mir im Nachhinein eine Zölibatsdiskussion nochmals durch den Kopf gehen liess fiel mir plötzlich auf, dass der Begriff Gnade überhaupt nicht gebraucht worden war. Das erinnerte mich an meine Jugend. Im Religionsunterricht war mehrmals von der sakramentalen Gnade die Rede gewesen. Jedes Sakrament vermittelt ganz real jene Gnadengaben, welche es verspricht, natürlich ohne unsere Freiheit anzutasten. An uns ist es, diese Gnade anzunehmen und nicht zuletzt mit ihr zusammen zu arbeiten. Ganz stark blieb mir das beim Ehesakrament in Erinnerung, vielleicht weil es uns bei unserer Ehevorbereitung nochmals in Erinnerung gerufen wurde. Wenn ich mich richtig erinnere war in diesem Zusammenhang auch von Standesgnade die Rede, von jenen Hilfen, die Gott uns schenkt, damit wir in der Lage sind, unsere Standespflichten zu erfüllen. Eine solche Standesgnade gibt es doch auch für Priester, für Ordensleute und andere geweihte Personen. Und wenn ich es mir so überlege, bin ich versucht auch dort von Standesgnade zu reden, wo irgendeine Person von Gott einen bestimmten Auftrag erhalten, eine Verpflichtung in seinem Dienst übernommen hat.

Warum, so frage ich mich, ist in der heutigen Verkündigung so wenig von all diesen Gnaden, ja von Gnade überhaupt, von der heiligmachenden Gnade einerseits und den helfenden Gnaden andererseits, die Rede? Hängt das damit zusammen, dass uns modernen Christen das Bewusstsein abhandengekommen ist, von Gott abhängig, auf seine Hilfe angewiesen zu sein? Oder ist uns dieses Bewusstsein abhandengekommen, weil uns unsere Abhängigkeit von Gott kaum mehr verkündet wird? Oder fehlt es gar am Gottesbewusstsein?

Und andererseits, haben wir nicht deswegen so viele gescheiterte Ehen und gebrochene Zölibatsversprechen, ja grundsätzlich so viel menschliches Versagen , weil wir die uns von Gott angebotenen sakramentalen und Standesgnaden nicht mehr wahrnehmen, uns nicht mehr um sie bemühen oder nicht daran denken, mit ihnen zusammen zu arbeiten? Haben nicht zum Beispiel deswegen so viele Menschen Mühe, wenn sie in Sünde und Schuld gefallen sind, weil sie sich nicht mehr bewusst sind, weil ihnen niemand erklärt hat oder sie es nicht hören wollten, dass es diese Gnaden gibt, diese sakramentalen und anderen Hilfen, dieser „Kraftnahrung“ auf unserem Lebensweg? Ich glaube, eine Neuevangelisation gerade auch in Bezug auf die Gnadenlehre, könnte Wunder wirken und uns und diese Welt einen grossen Schritt vorwärts bringen in Richtung Reich Gottes.


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