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Gedankensplitter - Einzeltext
Stefan Fleischer

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Gott allein genügt

Allein Gott genügt 

18. September 2015

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Eine liebe Person schenkte mir ein Bändchen mit sinnvollen Geschichten. Da ich wusste, dass sie von mir eine Reaktion erwartete, las ich es auf einer langen Bahnfahrt. Es fanden sich darin so bekannte Geschichten wie jene vom Engel, der Samen verkauft, vom Hemd eines wahrhaft glücklichen Menschen oder von den beiden Spuren im Sand, und viele andere, mir unbekannte, aus verschiedenen Ländern und Kulturen, eine sinnvoller als die andere. Doch am Schluss fühlte ich irgendwie eine grosse Leere. Es war wohl ein Fehler, die Geschichten nicht einzeln, mit dem nötigen zeitlichen Abstand, gelesen zu haben. Eine solche geballte Ladung von Sinn ist schwer verdaulich. So wirkte Ganze konstruiert und irgendwie moralisierend, auf alle Fälle fern von der Realität meines Lebens.

Zu Hause kam mir jenes bekannte Wort der Heiligen Teresa von Avila in den Sinn: “Gott allein genügt.“ Dabei fiel mir plötzlich auf, dass dieses Wort einen mehrfachen Sinn hat. Einerseits heisst es in unserem Zusammenhang so viel wie: Gott allein ist Sinn und Ziel meines Lebens. Was braucht es da noch viele Worte? Andererseits bedeutet es auch, dass ich auf vieles, ja alles, verzichten könnte, wenn ich in einer wirklichen Beziehung zu Gott leben würde, wenn mir meine Gottesbeziehung wichtiger wäre als alles, was die Welt mir zu bieten vermag. Und nicht zuletzt klingt darin auch jener Gedanke an, welcher für diese Heilige wohl der entscheidendste war: Allein Gott genügt. Nichts anderes ist gross und wichtig genug. Nichts anderes kann meine tiefste Sehnsucht wirklich stillen.


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