Vernachlässigte Aspekte - Einzeltext
Stefan Fleischer

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Die Gottes- und die Nächstenliebe

  Lev 19,18; Lev. 19,34; Dtn 6,4-5; Lk 10,27

 
Das unerhört Neue  --  eine laienhafte Spekulation

16. April 2016
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Spruch der
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18 An den Kindern deines Volkes sollst du dich nicht rächen und ihnen nichts nachtragen. Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Ich bin der Herr.

34 Der Fremde, der sich bei euch aufhält, soll euch wie ein Einheimischer gelten und du sollst ihn lieben wie dich selbst; denn ihr seid selbst Fremde in Ägypten gewesen. Ich bin der Herr, euer Gott.

4 Höre, Israel! Jahwe, unser Gott, Jahwe ist einzig. 5 Darum sollst du den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft.

27 Er antwortete: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen und ganzer Seele, mit all deiner Kraft und all deinen Gedanken, und: Deinen Nächsten sollst du lieben wie dich selbst.

Die Stelle bei Lukas ist uns allen wohlbekannt. Den wenigsten aber dürfte bewusst sein, dass sie so nicht im Alten Testament steht. Wenn wir die Schrift von Anfang an fortlaufend lesen, so stossen wir zuerst im Buch Levitikus 19,18 auf den zweiten Teil der Antwort unseres Herrn auf die Frage nach dem ersten und wichtigsten Gebot. Hier ist diese Liebe noch eindeutig auf die Liebe zu den Stammesgenossen beschränkt. Erst im Vers 34 erweitert sie sich zur Liebe zum Fremden, der sich bei ihnen aufhält. Der erste Satzteil in Lukas 6,4-5 stammt aus dem Buch Deuteronomium. Hier setzt nun Christus diese beiden Stellen zusammen und dreht die Reihenfolge um. So wird daraus jenes Doppelgebot, an welchem das ganze Gesetz samt den Propheten hängt. (Mt 22,40)

So betrachtet ist diese Stelle bei Lukas eine der Schlüsselstellen der Schrift, wenn man das unerhört Neue der christlichen Botschaft gegenüber dem Alten Testament aufzeigen will. Einerseits; die Liebe zum Nächsten und die Liebe zu Gott sind nicht mehr zwei unabhängige Gebote, sondern bilden eine untrennbare Einheit. Andererseits; die Gottesliebe kommt zuerst. In ihr sind die Nächstenliebe wie die Eigenliebe begründet. Sie soll die Triebfeder unseres Handelns, ja unseres ganzen Lebens sein. Und drittens; die Erläuterungen unseres Herrn zu diesem Doppelgebot im anschliessenden Gleichnis hebt auch die letzte Schranke der Nächstenliebe auf. Sie beschränkt sich nicht mehr nur auf die Stammesgenossen und jene welche bei ihnen wohnen, auch nicht nur auf die Durchziehenden, sondern ist auch den uns unfreundlich oder gar feindlich gesinnten Mitmenschen geschuldet.

Gott ist die Liebe. Gott will unsere Liebe, eine allumfassende Liebe, die Liebe zu ihm, die Liebe zu all unseren Nächsten und die Liebe zu uns selber. Damit aber diese Liebe gelingt muss Gott im Zentrum stehen, dürfen wir nie vergessen: „Ich bin der Herr, euer Gott.“ „Ohne mich könnt ihr nichts tun.“

 
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