Gedankensplitter - Einzeltext
Stefan Fleischer

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10. Oktober 2014

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Vor einiger Zeit erzählte mir eine Bekannte aus ihrem Glaubenskurs, wie sehr es sie beeindruckt hat, dass im Islam Gott der Grosse, der Ferne, der Gerechte sei, während wir einen sehr nahen, uns liebenden und barmherzigen Gott haben. Zwei kleine Worte fehlen mir in dieser Aussage. Zwar kenne ich den Islam zu wenig, um irgendetwas über ihn behaupten zu können. Das spielt aber keine Rolle, weil es hier nicht um diese Religion gehen soll, sondern um unseren christlichen Glauben. Unter diesem Vorzeichen würde ich obige Aussage ergänzen und sagen: Der Islam hat einen NUR grossen, fernen und gerechten, wir aber haben einen uns AUCH sehr nahen, liebenden und barmherzigen Gott.

Wie oft vergessen wir, unseren Glauben in seiner ganzen Katholizität, in seiner allumfassenden Grösse zu sehen und zu leben. Wie oft greifen wir nach einem, an sich sehr richtigen und wichtigen, Aspekt und vergessen dabei andere, genau so wichtige der uns geschenkten Offenbarung. In unserem Fall, wie schön und angenehm ist es doch, an diesen nahen, uns liebenden und barmherzigen Gott zu glauben und ihn in diesem Glauben auch so zu erfahren. Wie wichtig aber wäre es, auch an seine ganze Grösse, „Ferne“ und Gerechtigkeit zu glauben, in ihm auch jenen Gott zu sehen und zu erfahren, der zu uns sagt: „Ich bin der Herr, dein Gott!“

Für unserer menschlichen Begrenztheit ist es sehr schwer, immer bewusst einen solchen allumfassenden Glauben zu leben. Besonders schwer wird es dann, wenn im Hintergrund unsere Bequemlichkeit das Angenehme in strahlendem Licht erscheinen lässt, und das scheinbar weniger Angenehme zu verdunkeln, zu verschleiern versucht. Dieser Tendenz in uns müssen wir uns immer wieder bewusst werden, um so zu einer Glaubensfülle zu gelangen, in welcher es gerade die Grösse, „Ferne“, und Gerechtigkeit Gottes ist, die seine Nähe, seine Liebe und Barmherzigkeit für uns so wertvoll macht.


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