Vernachlässigte Aspekte - Einzeltext
Stefan Fleischer

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Hochmut 

Lk 1,50-51

  Die „grenzenlose“ Barmherzigkeit Gottes
 

3. Oktober 2014
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Er erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht /
über alle, die ihn fürchten.
Er vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten: /
Er zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind;


Gottes Erbarmen, seine Barmherzigkeit gilt von Geschlecht zu Geschlecht, also für alle Zeiten, sagt der erste Teil von Vers 50. „über alle“ präzisiert der Anfang des zweiten. Dann aber folgt die Bedingung: „die ihn fürchten“. Vers 51 ist genau gleich aufgebaut. Gott vollbringt machtvolle Taten. Ist es abwegig zu glauben, dass damit auch seine Barmherzigkeit gemeint ist, der auch die grösste Sünde keine Grenzen setzt? Dann aber folgt: „Er zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind“. Muss man nicht auch das als eine der machtvollen Taten Gottes sehen? Und sind nicht jene, deren Herz voll Hochmut ist, genau jene, die Gott nicht fürchten?

Gott fürchten heisst ja im biblischen Sinn nicht, Angst vor ihm zu haben. Volles Vertrauen in ihn und seine Barmherzigkeit gehören unabdingbar zur Gottesfurcht. Hochmut aber ist etwas ganz anderes. Hochmut Gott gegenüber heisst, nicht auf seine Barmherzigkeit angewiesen zu sein. Und dieser Hochmut hat viele Gesichter. Nicht an die Sünde zu glauben ist eines. Sich selber als unfähig zur Sünde zu sehen ein anderes, Gott all das Gute aufzurechnen, das man getan hat, all seine Gebete und guten Werke, um einen Anspruch auf Barmherzigkeit zu rechtfertigen ein weiteres. Mit einer solchen Haltung weist der Mensch die angebotene Barmherzigkeit Gottes zurück. Ein solches Verhalten wird, wenn es sich verhärtet, wenn es unumkehrbar wird, zu jener Sünde wider den Heiligen Geist, von der die Schrift sagt, dass sie nicht vergeben wird.

Grenzenlos ist Gottes Barmherzigkeit. Doch der Mensch ist frei. Gott zwingt niemandem sein Erbarmen auf. Das ist die Grenze, die Gott sich selbst, in seiner Liebe zu uns, gesetzt hat, unsere Freiheit. Er erwartet unsere freie Liebe, als Antwort auf seine ungeschuldete Liebe. „Zögere nicht, dich zu ihm zu bekehren, / verschieb es nicht Tag um Tag!“ sagt uns die Schrift (Sir 5,7) Viel mehr erwartet Gott nicht, aber immer und immer wieder. Dann werden wir auch immer und immer wieder seine Barmherzigkeit erfahren.



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