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Gedankensplitter - Einzeltext
Stefan Fleischer

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Lehr mich den Weg zum Leben


„Wie hast du’s mit dem ewigen Leben?“

11. September 2017

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Im Gottesdienst von heute sangen wir zum Einzug wieder einmal das alte Lied: „Wohl denen, die da wandeln“. Den ersten Vers der vierten Strophe. „Lehr mich den Weg zum Leben“ nahm der Priester zum Motto seiner Einleitung und dann sozusagen als roten Faden durch seine ganze Verkündigung. Dass er diesen Weg zum Leben nicht als Weg zu jenem ewigen Leben verstand, wie es wohl der Dichter aus dem siebzehnten Jahrhundert gemeint hatte, war zu erwarten. Für die moderne Theologie bedeutet ja Leben im christlichen Sinn jenes Leben hier und jetzt, das wir nach den Worten und dem Beispiel dieses Jesus leben sollten, um es in Fülle zu haben. Was nachher kommt ist nicht von Bedeutung. Die Hölle ist leer, sofern es überhaupt so etwas gibt.

Ich habe es nicht gewagt diesem Priester nachher die Gretchenfrage zu stellen: „Wie hast du’s mit dem ewigen Leben?“ Hätte ich es vielleicht, auf Grund der ersten Lesung in Ez 33,7-9 und des Evangeliums aus Mt 18,15-20 tun müssen? Ich weiss es nicht. Allzu oft musste ich schon hören, dass sich die Kirche eben gewandelt habe, dass man früher vieles falsch verstanden oder gar bewusst missbraucht habe, um den Menschen Angst einzujagen. Mir ist solches zwar nie begegnet. „Wer Gott fürchtet, braucht keine Angst vor ihm zu haben“ pflege unser Kaplan oft zu sagen.

Für mich ist die Antwort auf diese Frage ganz klar. Ich glaube an das ewige Leben als mein letztes Ziel und ewiges Glück. Ich glaube aber auch, dass dies kein Automatismus ist. Es ist auf „einem schmalen Weg und durch eine enge Pforte“ erreichbar, aber nicht auf der „breiten Strasse, welche ins Verderben führt“. Doch dieser Weg lohnt sich und ist nicht besonders schwer, wenn ich immer wieder bete: „Lehr mich den Weg zum Leben“. Ich bin überzeugt, dass dies eine jener Bitten ist, welche Gott am liebsten erfüllt. So kann ich auf seine Liebe und seine Barmherzigkeit vertrauen, auch wenn er mich immer wieder, wie Ezechiel, darauf hinweisen muss: „Von dir aber fordere ich Rechenschaft.“


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